Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums

Jutta Allmendingers Karriere ist beispiellos. Man liest das häufig über sie. Wer es sich so einfach machen will, könnte also behaupten, Jutta Allmendinger ist, was sie ist, weil sie Jutta Allmendinger ist. Ein Phänomen, noch dazu ein weibliches: Soziologieprofessorin, von 2003 bis 2007 Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), bis 2002 erste weibliche Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, seit 2007 Leiterin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität und Honorarprofessorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Überflüssig zu erwähnen, dass man in diese Spitzenposition nur gelangt, wenn man zuvor in Harvard promoviert wurde.

Tatsächlich ist das phänomenale am Phänomen Jutta Allmendinger, dass sie, obwohl weiblich, im deutschen Wissenschaftsbetrieb werden konnte, was sie heute ist. Zwar wächst der Frauenanteil an den deutschen Lehrstühlen seit zehn Jahren kontinuierlich. Das half ihnen aber dennoch nur knapp über die 20 Prozentmarke, was wiederum ein eigenes Phänomen ist, denn der Frauenanteil an den DoktorandInnen liegt noch bei 44 Prozent.

Dass Jutta Allmendinger für ihre Wissenschaftskarriere den „Umweg“ über ein Graduiertenstudium in den USA wählte, dürfte sie wesentlich befördert haben. Ein anderer Umstand aber war vermutlich noch entscheidender: Allmendinger hat ihre Karriere auch nach der Geburt ihres Sohnes nie unterbrochen. Von längeren beruflichen Auszeiten rät sie auch anderen Frauen ab. Quotenfrau sein, ist hart, sagt die 58-Jährige. Die Quote selbst aber ist unumgänglich, wenn sich für die Frauen etwas ändern soll. (tich.)

Alexandra Knauer, Chefin und Eigentümerin der Knauer GmbH

Fragt man Alexandra Knauer, ob sie schon immer Chefin werden wollte, holt sie für das Nein nicht einmal Luft. Sie hatte erlebt, dass sich bei ihren Eltern alles um die Firma drehte. Sie wollte anders leben. Doch als die heute 49-Jährige ihr BWL-Diplom gerade in der Tasche und auch schon einen Job angetreten hatte, geriet die elterliche Firma in eine schwere Krise. Die 1962 gegründete Zehlendorfer Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH hatte Anfang der Neunziger nach dem Verlust von Berlinzulage und Abnehmern in Osteuropa die Wende nicht geschafft.

„Ich wollte nicht Unternehmerin sein, sondern das Lebenswerk meiner Eltern retten“, sagt Alexandra Knauer. Damals war sie 28 Jahre alt und musste bald erfahren, wie es ist, Leute zu entlassen. 50 mussten gehen, mit vielen war sie groß geworden. Es war ein Familienbetrieb. Aber sie hat den Betrieb gerettet. Seit dem Jahr 2000, vier Jahre nach ihrer ungewollten Übernahme, macht das Unternehmen wieder Gewinne.

Inzwischen hat die Knauer GmbH wieder 120 Mitarbeiter, ist mit zahlreichen Innovationspreisen dekoriert, und der Jahresumsatz hat sich gegenüber damals auf 15 Millionen Euro verfünffacht. Als sogenannte Powerfrau sieht sie sich nicht. Der Begriff sei ihr „zu aufgepimpt“. Aber Elan und Engagement gehörten freilich dazu. Weil sie beides hat, wurde sie 2010 zur „Unternehmerin des Jahres“ gekürt.

Die Chef- und Eigentümerrolle hat sie also akzeptiert. Aber das ist für sie nicht alles. Die Wochenenden seien für die Familie, zu der auch zwei Teenager gehören. „Ich nehme meine Vorbildrolle als Mutter und Chefin sehr ernst“, sagt Alexandra Knauer, wobei sie es allerdings sehr zu schätzen wisse, dass ihr Mann „ganz wunderbar“ kochen kann. (jk.)

Andrea Grebe, Vivantes-Chefin

Andrea Grebe hat zum Gespräch eingeladen. Die Vivantes-Chefin will ihre Pläne für den landeseigenen Klinikkonzern vorstellen. Sie spricht über Wirtschaftlichkeit und Bilanzen, eigentlich ein trockenes Thema. Doch sie ist eine gute Rednerin. Nur einmal, es geht um Therapeuten, korrigiert sie sich. „Ich meine Therapeutinnen“, sagt die 53-Jährige. „Ich will jetzt immer die weibliche Form verwenden.“ Ihr sei gesagt worden, dass ihre Sprache zu männlich sei.

Besonders maskulin kommt die Chefin des bundesweit größten kommunalen Klinikverbundes mit 15 000 Beschäftigten allerdings nicht rüber. Die modisch gekleidete Frau kaschiert ihre feminine Seite nicht. Auf gutes Aussehen legt sie Wert. „Ich mag Menschen und bin kommunikativ“, sagt sie. „Aber ich treffe auch Entscheidungen.“ Es sei für sie nicht schwer gewesen, an die Spitze zu gelangen, sie habe schon immer Herausforderungen gesucht. Dass sie kinderlos blieb, sei nicht der Karriere geschuldet. Grebe, im nordhessischen Korbach geboren, arbeitete als Fachärztin für Innere Medizin und absolvierte ein weiteres Studium in Gesundheitswissenschaften.

Sie kennt den Klinikkonzern seit seiner Gründung im Jahr 2001, war dort bis 2006 für Qualitätsmanagement zuständig. Dann ging sie nach Baden-Württemberg und kehrte im März 2013 als Geschäftsführerin für Klinikmanagement zu Vivantes zurück. Ein Jahr später übernahm sie den Vorsitz. Aufsichtsrat und Betriebsrat bescheinigen ihr Führungsstärke und soziale Kompetenz.

Die Managerin entscheidet sich auch für unpopuläre Maßnahmen. Bestimmte Berufsgruppen sollen bei Neueinstellungen unter Tarif bezahlt werden. Etwa Therapeutinnen. (tt.)

Sigrid Evelyn Nikutta, BVG-Chefin

Bahn-Chef Rüdiger Grube bot ihr ein höheres Gehalt an, wenn sie bleibt. Doch Sigrid Evelyn Nikutta ließ sich nicht mehr aufhalten. Sie entschloss sich 2010, von der Deutschen Bahn zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zu wechseln. Seitdem ist die in München an der Ludwig-Maximilians-Universität promovierte Psychologin, die in Polen geboren wurde und in Westfalen aufwuchs, Vorstandsvorsitzende und Betriebsvorstand. Es ist ein Knochenjob in einem großen Landesunternehmen, das im Fokus der Öffentlichkeit steht und sich immer wieder mit Forderungen von Politikern, Bürgern sowie Gewerkschaften auseinandersetzen muss. Und das finanziell oft ziemlich kurz gehalten wird.

Mehrere Männer hatten sich für den Chefposten beworben, aber nur eine Frau – Nikutta. Sie konnte den damaligen BVG-Aufsichtsratsvorsitzenden, Finanzsenator Ulrich Nußbaum, von sich überzeugen. Nußbaum hatte das Vertrauen des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Und da schadete es nicht, dass die SPD-Frauen darauf drängten, mehr Frauen einzustellen.

Die Chefin hat die wirtschaftlichen Zielsetzungen erfüllt. Fahrgastzahlen und Fahrgeldeinnahmen sind gestiegen. 2013 erwirtschaftete die BVG, die lange als Sorgenkind galt, im Bus- und Bahnbetrieb erstmals eine schwarze Null. Dazu trug sicher bei, dass Berlin ohnehin boomt. Nikuttas Art im Umgang mit anderen Menschen half aber auch manches Problem zu lösen.

Die 45-Jährige, die mit ihrem Ehemann und den vier Kindern in Biesdorf lebt, spricht die Dinge offen an, sie kommuniziert gern. Das hat sie manchen Männern voraus. Machtbewusst ist sie aber auch: „Ich wollte immer schon bestimmen.“ (pn.)