Süßigkeiten und Feste feiern - das bedeutet der Kindertag für viele deutsche Familien. Dabei haben der Internationale Kindertag (1. Juni) und der Weltkindertag (20. September) politische Ursprünge. Sie sollen an Kinderrechte erinnern. Und in Zeiten von Kita-Krisen, Kinderarmut, Sexismus und bedürfnisorientierter Erziehung wird viel darüber diskutiert, welche Rechte Kinder eigentlich haben und wie sie optimal aufwachsen können.

Kinder haben Kinderrechte

Dem Recht nach können Kinder sich nicht nur auf die normalen Menschenrechte berufen, sie haben darüber hinaus "besondere Bedürfnisse in Bezug auf ihre Förderung, ihren Schutz, ihre Mitbestimmung und ihre Entwicklung", wie das Deutsche Kinderhilfswerk auf seiner Website schreibt. Darum gilt für die Kleinsten der Gesellschaft zusätzlich die UN-Konvention über die Kinderrechte.

Sie erklärt unter anderem, dass der Kindeswille berücksichtigt werden muss, dass Kinder berufstätiger Eltern ein Recht auf Betreuung haben, dass behinderte Kinder besonders gefördert werden müssen, kein Kind in irgendeiner Form ausgebeutet werden darf und jedes Kind ein Recht auf Bildung hat. Fast alle Staaten der Erde haben die Konvention unterzeichnet. Trotzdem gibt es bisher kein Land der Erde, in dem alle Kinderrechte für jedes Kind durchgesetzt werden. Eine interaktive Weltkarte der Kinderrechtsorganisation Save the Children zeigt, in welchen Ländern die Rechte von Kindern in welchem Grat bedroht werden.

Das wünschen sich Eltern für ihre Kinder

Immer mehr Eltern mischen sich - in Deutschland insbesondere seit den 1970er Jahren - in die politische Debatte ein, wenn es um die Rechte ihrer Kinder geht. Ihre Forderungen gehen aber über die Inhalte der UN-Konvention hinaus. Viele Eltern demonstrieren für eine Welt ohne Sexismus, für eine bessere Kita-Betreuung, für Chancengleichheit von Kindern Alleinerziehender. In den sozialen Netzwerken wie Instagram diskutieren die sogenannten Insta-Eltern über Erziehungsweisen, über die Kommunikation mit Kindern,  vegetarische oder vegane Ernährung, über das Leben mit behinderten Kindern und als Alleinerziehende. Zum Internationalen Kindertag hat die Berliner Zeitung einige von ihnen gefragt, was sie sich für ihre Kinder wünschen:

Mama Marlene wünscht sich weniger Leistungsdruck

An die Berliner Zeitung schreibt sie:

„Für meine Tochter und alle anderen Kinder wünsche ich mir, dass wir alle mehr aufeinander aufpassen. Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder - finden uns damit aber schnell in einer Leistungslogik wieder, mit wenig Raum für Zwischenmenschlichkeit und Nachbarschaftlichkeit. Wenn Kinder erfahren, wie sich Gemeinschaft anfühlt, und in dieser Gemeinschaft Menschen mit allen möglichen Geschichten und Hintergründen sichtbar werden, sie erfahren, wie man füreinander Verantwortung übernehmen kann - dann sind wir in unseren Dörfern und Kiezen neu verwoben und zu Hause, egal, wie die Menschen und Familien sich jeweils voneinander unterscheiden. Und wer weiß, welche Veränderungen dann möglich sind!
Als alleinerziehende Mutter eines Kindes mit Behinderung spüre ich jeden Tag, wie essentiell diese Netze sind. Nur haben die nicht alle. Es ist auch Aufgabe des Staates, die Strukturen zu schaffen, die zu einem guten Leben für alle verhelfen - indem die Bedürfnisse von Kindern und zB Ein-Eltern-Familien besser berücksichtigt werden. Forderung nach oben: Kinderarmut oder das Armutsrisiko für alleinerziehende Mutter müssen der Vergangenheit angehören. Solidarität muss praktiziert werden. Und wir können sofort einen Anfang machen, uns wieder näher kommen und weniger urteilen.“

Mama Wiebke wünscht sich Freiheit

Mama Anne wünscht sich mehr Kitaplätze

Josephine aus Berlin wünscht sich für ihre zwei Kinder weniger Sexismus

An die Berliner Zeitung schreibt sie:

„Was für eine Welt wünsche ich mir für meine Kinder? Ich möchte, dass sie frei sind, sich aber zugleich immer geborgen fühlen. Ich wünsche mir mehr Respekt und Offenheit gegenüber anderen Lebensweisen. Ich will auf einen Spielplatz gehen, ohne ständig „wenn du jetzt nicht, dann...“, oder „ich zähle jetzt bis drei“ hören zu müssen. Ich wünsche mir eine Welt, in der ich nicht gefragt werde, warum mein Sohn ein rosa T-Shirt trägt und warum meine Tochter keine Puppen mag. Ich wünsche mir gesundes Essen zu bezahlbaren Preisen. Ich wünsche mir, dass Familien mehr Zeit miteinander haben, ohne sich zu sorgen, wie sie die Miete bezahlen können.“

Werdende Mama und Berlinerin Milena wünscht sich eine nachhaltige Welt

Hebammenschülerin Rebecca wünscht sich für Babys mehr Hebammen

„Ich wünsche mir für Kinder von Beginn an, also auch während der Schwangerschaft, einen liebevollen und respektvollen Umgang. Ich wünsche mir, dass Kinder in Ruhe geboren werden dürfen. Ich wünsche jedem Kind eine enge Bindung zu seinen Eltern bzw. 1-2 Bezugspersonen, die ihm Sicherheit, Rückhalt und Geborgenheit bieten und eine individuelle Entfaltung ermöglichen. Ich wünsche jedem Kind Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein! Um das zu erreichen, ist die Begleitung, Unterstützung, Aufklärung und Beratung der Mutter / Eltern bereits von Anbeginn der Schwangerschaft essentiell wichtig. Ich wünsche mir also für Kinder, dass jede (werdende) Familie die Möglichkeit einer Betreuung durch eine Hebamme erhalten kann, die Unterstützung bei Unsicherheit, Unwissenheit und Fragen rund um das (ungeborene) Kind bietet. Ich wünsche mir für unsere Kinder, dass die Politik die Bedeutung des Hebammenberufs anerkennt und ihn entsprechend fördert.“

Elisa wünscht sich mehr Respekt

Bini wünscht sich für ihre zwei Kinder Zufriedenheit

„Für die Zukunft meiner Kinder wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass sie selbstbewusst und zufrieden ihren Weg gehen, losgelöst von auferlegten Zwängen und dem gesellschaftlichen Druck, Leistung erbringen zu müssen. Ich wünsche mir, dass sie weltoffen werden, anderen Menschen auf Augenhöhe begegnen und dennoch für sich und ihre Meinung einstehen. Wie ich ihnen das mit auf den Weg gebe? Indem wir es ihnen vorleben. Wir gehen respektvoll miteinander um, nehmen sie auch als kleine Personen ernst und zeigen, dass Probleme gelöst werden können, wenn man auf miteinander redet. Wir zeigen ihnen andere Kulturen, reisen und schnappen andere Sprachen auf, damit sie schon früh merken, dass es eine ganze Welt und nicht nur Deutschland gibt. Und eines Tages, da bin ich mir sicher, werden sie ihre eigenen Wege gehen. Selbstbewusst, glücklich und zufrieden.“