Berlin - Manchmal braucht man die gute alte Wiedervorlagemappe doch. Es ist schon fünf Jahre und drei Tage her, dass das ICC geschlossen wurde. Die Zeit ist vergangen, ohne dass Fortschritte in der Debatte um die Zukunft des gewaltigen Gebäudes erzielt wurden. Also wenn man den eigentlich aus ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Gründen selbstverständlichen Beschluss, ihn nicht abzureißen, nicht schon als Fortschritt bewerten will. Inzwischen wurde das mächtige Gebäude für alle möglichen Nutzungen vorgeschlagen, etwa als Hotel oder neue Zentralbibliothek. Beides Funktionen, die unter anderem viel Licht und Fenster benötigen, die beim ICC nun wirklich nicht vorhanden sind. Dann brachte der Senat in seiner unergründlichen Allwissenheit hier Flüchtlinge unter.

Familien mit Kindern in einem Bau weitgehend ohne Tageslicht. Eine Gemeinheit sowohl den Menschen als auch dem Gebäude gegenüber, das so in Teilen regelrecht vernutzt wurde. Und weiter rotteten die einst so schön silbern blitzenden Metallfassaden. Und weiter steht das ICC nicht unter Denkmalschutz. Dabei sind die Gründe dafür überwältigend. Weit stärker als etwa für die vor einer Woche unter Schutz gestellten Flughafengebäude in Tegel, ist doch trotz der Miss-Nutzungen im ICC bei weitem mehr Originalsubstanz erhalten als dort.

Eine kurze Skizze der möglichen Denkmalbegründung: Die städtebauliche Bedeutung des Monumentalbaus ergibt sich aus der grandiosen Komposition mitten zwischen dem Messegelände und den überaus kompliziert miteinander verschlungenen Autobahnstreifen. Für jeden, der einst aus der alten Bundesrepublik nach West-Berlin einfuhr, waren der Funkturm und das ICC das Zeichen schlechthin, dass West-Berlin erreicht wurde.

Das ICC wurde bis zur Schließung mit vielen Auszeichnungen versehen

Genau das ist auch die historische Bedeutung des Baus, er sollte der Halbstadt nach dem Bau der Mauer wirtschaftliche Sicherheit und internationale Aufmerksamkeit garantieren. Das gelang überaus gut, bis zu seiner Schließung wurde das ICC mit vielen Auszeichnungen versehen und war meistens ausgebucht; die hohen Betriebskosten machten ihm den Garaus, nicht mangelnde Beliebtheit. Die technikhistorische Bedeutung ergibt sich aus der grandiosen Rahmenkonstruktion.

Und schließlich ist dieser 1979 nach den Plänen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte eingeweihte Bau von herausragender kunsthistorischer Bedeutung, als Monument der Raumschiffbegeisterung der 60er-Jahre, des Glaubens an die technische Allmachbarkeit, an die Kraft der bis ins letzte Detail gestaltenden Architektur. Kurz, es gibt nur einen Grund, warum das ICC nicht auf der Liste steht: Der Senat und das Abgeordnetenhaus fürchten, dass der Denkmalschutz ihre Ideen für welche Nutzung auch immer behindern könnte.

Nur haben sie bisher wirklich keine einzige Idee entwickelt, die überzeugt – außer der, das ICC dafür zu nutzen, wofür es gebaut wurde: als Internationales Congress Centrum nämlich.