Berlin - Die überraschende Botschaft von den massiv steigenden Sanierungskosten für das Internationale Congress Centrum (ICC ) hat für Irritation unter den Berliner Fachpolitikern der Bereiche Stadtentwicklung und Finanzen gesorgt. Parteiübergreifend wollen sie jetzt vor allem eines: Dass der Senat, insbesondere die Bauverwaltung von Senator Michael Müller (SPD), genau darlegt, auf welcher Grundlage sich die Kostenexplosion um 80 Prozent auf 328 Millionen Euro errechnet. Die Berliner Zeitung hatte die neue Kalkulation, notiert auf einem Vermerk aus den rot-schwarzen Koalitionsverhandlungen, am Donnerstag erstmals veröffentlicht.

Bisher war eine Obergrenze von 182 Millionen Euro vereinbart worden. Der Senat hatte noch vor Jahresfrist einen entsprechenden Zeit- und Kostenplan für das ICC samt Ersatzbau beschlossen. Doch laut einer neuen Studie, beauftragt von der Bauverwaltung unter Müllers Vorgängerin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), steigen nicht nur die Kosten. Auch die Sanierungsdauer verdoppelt sich voraussichtlich auf sechs Jahre bis mindestens 2020.

Höhere Baupreise und Schadstofffunde verteuern den Bau

Die Studie selbst bleibt vorerst unter Verschluss. Der Sprecher der Bauverwaltung, Mathias Gille, nannte auch am Freitag weder Autoren noch den genauen Zeitpunkt, an dem die neuen Erkenntnisse bekannt waren. „Vor dem Wahltermin am 18. September lagen sie aber nicht vor“, betonte er, um dem Vorwurf zu begegnen, es sei vor der Wahl ein finanziell heikles Thema verschwiegen worden. Gille betonte, die Baubehörde werde die Studie sehr genau prüfen, bevor der gesamte Senat eine Entscheidung über die Sanierung des ICC, Europas größtem und beim Publikum beliebten Kongresszentrum, treffen könne. Die Beratungen darüber könnten noch ein halbes Jahr dauern, hieß es. Zu den Gründen für die Kostensteigerung gehören laut Gille höhere Baupreise sowie eine bereits eingerechnete Vorsorge für mögliche weitere Schadstofffunde. Zahlen nannte er nicht. Das ICC, erbaut 1979, braucht unter anderem eine Modernisierung von Haus- und Veranstaltungstechnik. Zudem sollen Schadstoffe beseitigt und das Raumkonzept verbessert werden.

Der SPD-Finanzpolitiker Torsten Schneider sagte, dermaßen hohe Sanierungskosten wie jetzt prognostiziert seien „unrealistisch“. Diskussionsbasis sei für ihn weiterhin der Senatsbeschluss, dass 182 Millionen zur Verfügung stehen. Er freue sich schon auf die Debatten im Abgeordnetenhaus, sagte er. Auch der Charlottenburger SPD-Abgeordnete und Bauexperte der Fraktion, Frank Jahnke, kündigte an, die Berechnung genau zu prüfen.
CDU und SPD standen immer schon für den Erhalt und die Sanierung des Baus am Messegeländeund haben dies auch im Koalitionsvertrag verankert. Daran rüttelt auch angesichts eines drohenden finanziellen Fiaskos noch niemand. Die Sache sei entschieden, ein Verzicht auf die Sanierung oder gar ein Abriss komme nicht in Frage, hieß es bei der SPD. Auch der CDU-Stadtentwicklungspolitiker Stefan Evers betonte, dass die Koalition zur ICC-Sanierung stehe. „Ich will aber die Zahlen sehen“, sagte er.