Berlin - Es gab schon so manch absurde Vorschläge für die Zukunft des ICC. Etwa, hier die Zentral- und Landesbibliothek einzurichten. Als wenn Bibliotheken Regallager für altes Papier wären. Andere wollten den Bau umgestalten zu Messehallen. Welche Verschwendung der nur in den Leitanlagen veralteten Saaltechnik. Wieder andere wollten die beiden Großsäle aufteilen. Angeblich hätten sie keine Nutzungszukunft mehr. Dumm nur, dass die Messegesellschaft gerade Großveranstaltungen en masse anzieht.

Es droht eine ästhetische Vandalisierung

Der absurdeste Vorschlag aber war, den 1979 eingeweihten West-Berliner Repräsentationsbau nach nur einer Generation Nutzung wieder abzureißen. So der damalige Fraktionsvorsitzende der SPD und heutige Bau- und Denkmalschutzsenator Michael Müller 2003. Einmal abgesehen von den emotionalen Wunden, die der Verlust dieses Stadtwahrzeichens geschlagen hätte: Spätestens der ökologisch und ökonomisch sinnlose Abriss des Palast-Rohbaus hat gezeigt, dass solche Monumentalbauten besser weiter verwendet werden. Was hätten in seinem Stahlgerüst für fantastische Museumsräume eingerichtet werden können ...

Dies Schicksal droht dem ICC wohl (vorerst) nicht mehr, SPD und CDU haben sich der Materiemacht des Riesenbaus gebeugt. Nun droht die nächste Gefahr: Seine ästhetische Vandalisierung im Namen der Wirtschaftlichkeit. Das ICC ist aber nicht nur als Werbe-Ikone ein international bekannter Wert für Berlin.

ICC ist wegen seiner Besonderheit wertvoll

Es ist auch deswegen im wahrsten Sinn des Wortes werthaltig, weil die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte von der Komposition des „Raumschiffs“ zwischen Eisenbahnlinien, Autobahnen und Messegelände über die Lichtanlagen in den Foyers, die Kongresssessel bis hin zu den Türklinken alles einzeln entworfen haben. Und sie achteten darauf, dass in erstklassiger Qualität gebaut wird. Manche Schale für die Wandverkleidungen war pure Handarbeit. Das ICC ist zweifellos Luxus gewesen, aber einer, der bis heute hält. Das kann man von wenigen Bauten dieser Generation sagen.

Vor allem aber: Das ICC steht für eine aus dem High-Tech und der Pop-Art abgeleiteten Ästhetik (wie der Bierpinsel oder der Flughafen Tegel), die zwar manchem der heute Verantwortlichen kalt erscheint. Eine jüngere Generation aber hat den Charme dieser Moderne längst entdeckt. Die Farben, die sich rundenden Formen, die breiten Flure, die kraftvollen Treppentürme, sie alle gehören zum Werbewert des ICC. Es ist absehbar, dass die Menschen bald nach Berlin wollen, weil hier im ICC etwas auch ästhetisch Einmaliges zu erleben ist. Das muss den Politikern, aber auch der Messe und den eventuellen privaten Investoren endlich ins Blut übergehen. Das ICC ist gerade wegen seiner Besonderheit ein Wert! Deswegen heißt es jetzt: Bei allem notwendigen Umbau muss das ICC als das ICC Schüler und Schüler-Wittes erkennbar bleiben. Innen wie außen.