Nachdem das ICC im April nach 35 Jahren Kongressbetrieb geschlossen wurde, wird die Belüftungs- sowie die Haustechnik weitgehend außer Betrieb genommen. Auch Wasser, Strom und Heizung werden gedrosselt – wohl für die nächsten Jahre. Wann das Haus wieder genutzt wird, kann derzeit niemand prophezeien. Noch sucht der Senat nach einem Konzept. Erst 2015 soll entschieden werden.

Auch der Umbau von einzelnen Gebäudeteilen ändert nichts

Dabei sind die Fakten dem Senat seit Januar bekannt: Mit nur zehn Prozent vermarktbarer Fläche kann das ICC nicht wirtschaftlich betrieben werden, auch der Umbau von einzelnen Gebäudeteilen ändert nichts. Das belegt ein Gutachten der Beraterfirma Drees & Sommer im Auftrag der Wirtschaftsverwaltung, das der Berliner Zeitung vorliegt.

Die Gutachter empfehlen eine komplette Entkernung des Hauses und künftig eine Kombination mehrerer Nutzungen. So könnte ein Shoppingcenter eingerichtet werden, das mindestens 45 000 Quadratmeter groß ist. Damit soll ein Gegenpol zum neuen Einkaufszentrum am Leipziger Platz entstehen. Wie Drees & Sommer analysieren, „besteht seitens der potenziellen Investorenschaft hohes Interesse, ein weiteres Projekt mit Einzelhandel im Westen der Stadt anzusiedeln“.

Leitbild könnte ein „House of Interaction and Living“ mit vielen kleinen Läden sein. Zudem sind im ICC Kongressflächen vorgesehen, ein Hotel könnte statt des Parkhauses neu errichtet werden. Mit 253 Millionen Euro Kosten wäre dies die wirtschaftlichste Variante. Das Land hat seinen Anteil für das ICC auf 200 Millionen Euro begrenzt, den Rest sollen Privatinvestoren zahlen. Die Gutachter schließen nicht aus, dass nach der Sanierung im ICC eine Zentral- und Landesbibliothek eingerichtet werden kann. Die Kosten werden allerdings mit 484 Millionen Euro angegeben.

Ergänzendes Gutachten wird erstellt

Laut Wirtschaftsverwaltung wird jetzt ein ergänzendes Gutachten erstellt, das klären soll, ob ein neues Shoppingcenter verträglich für die Einkaufsstraßen in der Umgebung des ICC ist. Zudem wird untersucht, wie viel Kongressfläche in Berlin benötigt wird. Die Ergebnisse sollen am Jahresende vorliegen.