Internetzugang: Vorerst wieder weniger WLAN

Surfen am Hackeschen Markt, an der Friedrichstraße und am Hauptbahnhof – an mehr als 20 Punkten in Berlin bietet die Wall AG über den Sommer kostenlos WLAN an. Allerdings nicht mehr lange, Ende August wird der Service eingestellt. Nach dem Ende des Projektes liegt auch weiterhin ein flächendeckendes WLAN für Berlin im Dunkeln. Einen ersten Schritt machte der Senat Mitte Juli mit dem Start eines Interessenbekundungsverfahrens. Es richtet sich an mögliche Partner, die an Bereitstellung und Betrieb eines WLAN-Angebots in Berlin interessiert sind.

Ob sich die Wall AG an dem laufenden Verfahren des Senats beteiligen wird, ist noch nicht klar. Zunächst einmal ist sie zufrieden mit dem WLAN-Projekt, in dem Antennen für ein kostenloses WLAN in Berlins Bushaltestellen, Informationssäulen und öffentlichen Toiletten eingebaut wurden. „Die Erwartungen der Wall AG wurden übertroffen“, sagt Wall-Sprecherin Frauke Bank. „Die Wall WiFi App wurde mehr als 35.000 Mal heruntergeladen.“

Mangelnder Datenschutz?

Doch nicht alle betrachten das Projekt als Erfolg. So wurden in der Spandauer Piraten Fraktion Datenschutzbedenken laut. In Spandau war die letzte WLAN-Station in der Altstadt eingebaut worden. Der Fraktionsvorsitzende der Spandauer Piraten Fraktion, Emilio Paolini bemängelte, dass laut Nutzungsbedingungen der Wall AG personenbezogene Daten wie der Name, die Email-Adresse, der erste und letzte Login, die Sprache, das Betriebssystem, die Gerätekennung und IP-Adresse erhoben, gespeichert und verarbeitet würden. Die Sprecherin des Unternehmens, Frauke Bank, hatte in einem Interview erklärt, man könne die App ja auch mit fiktiven Daten nutzen.

Das rief die Piratenpartei auf den Plan, denen die Datensammelei ein Dorn im Auge ist. Paolini kritisierte außerdem die komplizierte Nutzung. „Erst verlangen sie die Daten und dann empfehlen sie die anonyme Anmeldung, da stimmt doch etwas nicht“, vermutet Paolini. Er hat den Verdacht, das sich die Wall AG mit dem „Geschenk an Berlin“ für das Interessenbekundungsverfahren profilieren will. Bank sagt, sie sei falsch zitiert worden. Die Notwendigkeit der großen Datenerhebung erklärt sie folgendermaßen: „Aus unserer Sicht ist absehbar, dass im Laufe des nächsten Jahres eine neue gesetzliche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung kommen wird“. Schon jetzt wolle man deshalb die Akzeptanz der Nutzer darauf testen.

Dass kommerzielle Anbieter immer irgendwie Geld verdienen müssten, mache die Sache nur unnötig kompliziert, meint dagegen Paolini. Er bevorzuge Angebote wie den sogenannten Freifunk. Das ist eine Initiative für Netzwerke, die jedermann gratis zugänglich sein sollen. Dabei wird das WLAN durch die Vernetzung privater Router bereitgestellt. Das finanzielle Risiko für die Router-Besitzer, zum Beispiel bei Urheberrechtsverletzungen durch die Nutzer, sei relativ gering. Durch die sogenannte Störerhaftung könnten sie nur noch auf höchstens 100 Euro verklagt werden.

Schritt zu Grundversorgung gemacht

Das Interessenbekundungsverfahren des Senats für ein möglichst umfassendes WLAN-Netz läuft derweil bis Ende Oktober. „Anfänglich sollen lediglich zentrale Orte der Stadt mit hoher Nachfrage versorgt werden. Eine stufenweise Weiterentwicklung bis hin zu flächendeckender Versorgung innerhalb des S-Bahnrings ist räumlich und konzeptionell denkbar“, heißt es.

Auch die Freifunker könnten sich einbringen. Erste Firmen hätten schon angeklopft, vermeldete Vize-Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Genaueres will er zum laufenden Verfahren nicht sagen, der erste Schritt zu einer Grundversorgung mit WLAN sei jedoch gemacht.

Pirat Paolini findet ein Gratis-WLAN, wie es schon in vielen Cafés und Bibliotheken betrieben wird, trotz aller Zweifel wichtig. „Es bietet drei große Vorteile“, sagt er, „erstens hält der Akku des Gerätes länger, zweitens bekommt man eine schnellere Internetverbindung und drittens ist die Strahlenbelastung um 4000 Mal geringer als beim surfen mit dem Handy.“

Trotz der offensichtlichen Vorteile – in nächster Zeit bleibt ein flächendeckendes WLAN für Berlin Zukunftsmusik. Einen Termin gibt es noch nicht. Die Kosten soll außerdem der Betreiber tragen. Einen Pferdefuß wird die Sache also immer haben. Freies WLAN gegen Daten?