Berlin - Sein Büro ist noch nicht fertig. Mario Czaja kommt zum ersten größeren Interview seit Amtsantritt in einen schmucklosen Besprechungsraum der Gesundheits- und Sozialbehörde in Kreuzberg. Er pendelt außerdem regelmäßig zur Justizbehörde, die er übergangsweise betreut. Er sieht blass aus, von einer Erkältung ist die Stimme belegt. Czaja ist 36 Jahre alt, seit 1999 sitzt er im Abgeordnetenhaus, dreimal hat er seinen Wahlkreis in Mahrzahn-Hellersdorf direkt gewonnen. Er ist der erfolgreichste Unionspolitiker im Osten.

Herr Czaja, Sie betreuen derzeit gleich zwei Ressorts, gelten als “Super Mario“. Wie geht man mit den hohen Erwartungen um?
Man schläft schlechter. Man muss mit möglichst vielen Menschen kommunizieren, mit Referatsleitern, Abteilungsleitern und wichtigen Akteuren.

Sie haben das Justizressort übernommen, nachdem Michael Braun zurücktreten musste. Teilen Sie die Einschätzung, er sei das Opfer einer Kampagne geworden?
Die Auseinandersetzung ist sehr intensiv geführt worden. Es hat sich dabei erneut gezeigt, dass Politiker besonders im Licht der Öffentlichkeit stehen und für sie höhere Maßstäbe gelten, als beispielsweise für Führungskräfte in der Wirtschaft .

Braun erhält für nur zwölf Tage als Senator 50 000 Euro Übergangsgeld. Ist das gerechtfertigt? Sollte diese Regelung geändert werden?
Aus der Sicht der Bürger ist es nicht nachvollziehbar, weshalb ein Übergangsgeld für einen solch kurzen Zeitraum gezahlt wird. Und ich verstehe diese Sichtweise.

Ist der Lack schon ab von der modernisierten, aufpolierten CDU?
Ich möchte nichts beschönigen: Ein Senatorenrücktritt nach wenigen Tagen ist kein guter Start für eine Koalition. Leider haben die von Michael Braun zu verantwortenden Vorgänge auch negativ auf das Bild der CDU abgefärbt. Das ist bedauerlich, denn die Partei ist unter der Führung von Frank Henkel inhaltlich modernisiert und neu aufgestellt worden.

Glauben Sie, dass der Schaden überwunden werden kann?
Ich habe in den zwölf Jahren meiner Tätigkeit in der CDU-Abgeordnetenhaus-Fraktion die Erfahrung gewonnen, dass man sich mit ausdauernder, inhaltlicher und bürgernaher Arbeit Respekt und Anerkennung verdienen kann.

Die Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung haben sich großzügige Übergangsgelder genehmigt. Sollen Sie das Geld zurückzahlen?
Laut Satzung darf das Geld nur gezahlt werden, wenn der Übergang eines ausscheidenden Funktionärs zurück in seine normale Arzttätigkeit abgefedert werden soll. Das war hier nicht der Fall, der Vorstand wurde wiedergewählt. Deshalb verlange ich eine Rückzahlung der Bezüge. Die Rechtsaufsicht prüft den Vorgang derzeit sehr intensiv.

Macht sich im Sozialbereich eine Selbstbedienungsmentalität breit?
Bei der Erbringung von Sozialleistungen hat es Wildwuchs gegeben, wie der Skandal um die Treberhilfe zeigte. Erste Schlussfolgerungen wurden gezogen. Eine Bundesratsinitiative wurde von Rot-Rot gestartet, die in der Länderkammer einstimmig beschlossen wurde. Die Prüfmöglichkeiten sollen danach verbessert werden. Bisher durfte nur einvernehmlich mit den Trägern geprüft werden, künftig soll der Sozialhilfeträger – also hier meine Verwaltung - verdachtsunabhängig prüfen können. Das werden wir gründlich tun.