Ein paar Wochen vor der Europatour ist Kate Pierson zu Hause im Bundesstaat New York. In der Nähe betreibt sie mit ihrer Lebenspartnerin ein Motel. Trotzdem denkt die 65-Jährige nicht daran, mit der Musik aufzuhören.

Die B-52s bestehen seit gut 37 Jahren. Wie hält man das so lange zusammen aus?

Nun ja, wir haben uns ja nicht gerade überarbeitet. Es gab natürlich viele Momente, in denen jemand aus der Band gezweifelt hat, ob er weitermachen möchte. Aber dann haben wir einfach gewartet, bis die Lust wieder da war. Unsere Songs entstehen im Kollektiv. Das kann nur klappen, wenn alle mit dabei sind. Aber das Wichtigste ist: Wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Wir können immer noch zusammen lachen. Das schweißt zusammen.

Auf der Deutschland-Tour wird Ihr Gitarrist Keith Strickland nicht mehr dabei sein. Wie wird das die Dynamik der Liveshows verändern?

Am Anfang hat sich das natürlich merkwürdig angefühlt. Ich habe mich bei den Shows umgeschaut und mich gefragt, wo Keith ist. Aber im Grunde war es ein leichter Übergang. Keith hat uns seinen Segen gegeben, mit jemand anderem weiterzumachen und wir haben mit Greg Suran einen wirklich talentierten Gitarristen verpflichtet. Durch seinen Einfluss verändern sich die Songs ein wenig, wir hauchen ihnen neues Leben ein. Auch werden wir andere Lieder in unsere Konzerte integrieren.

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Sie in Deutschland spielen, auch wenn die letzte Tour schon ein paar Jahre her ist. Haben Sie besondere Erinnerungen an Berlin?

Ich liebe Berlin, es ist einfach großartig. Es ist sehr hip und hat viele tolle Cafés. Generell habe ich gute Erinnerungen an Deutschland. Meine Urgroßmutter war Deutsche. Und mein Nachbar hat mir als Kind Vollkornbrot und deutschen Käse zu essen gegeben. Deutschland war seit unseren Anfängen einer unserer wichtigsten Tourorte. Was mir aufgefallen ist: In Deutschland starten die Leute bei unserem Song „Rock Lobster“ einen Moshpit (Kreis vor der Bühne in dem gemeinsam getanzt wird, Anm. d. Red.). Und zwar nur bei diesem Song. Ich frage mich, ob das dieses Mal wieder passiert. Letztes Mal haben wir in der Zitadelle gespielt. Spielen wir da wieder?

So steht es zumindest im Tourplan.

Großartig. Ein wundervoller Ort. Letztes Mal war Peaches bei unserem Konzert. Ich liebe Peaches.

Im Herbst soll Ihr erstes Solo-Album erscheinen. Was kann man da erwarten?

Das Album wird komplett anders klingen als die B-52s. Es geht mehr Richtung Indiepop. Im April ist es fertig geworden. Ich habe es in Los Angeles aufgenommen. Die meisten Songs habe ich mit der australischen Sängerin Sia Furler, aber auch mit anderen Musikern geschrieben. Nick Valensi von den Strokes zum Beispiel.

Wenn man den ausgestiegenen Keith Strickland mitzählt, sind drei von vier Mitgliedern der B-52s homosexuell. Sie haben mit Ihrem Coming-out gewartet, bis Sie Mitte fünfzig waren. Warum?
Bevor ich meine Partnerin Monica kennengelernt habe, war ich noch nie mit einer Frau zusammen. Als wir zusammengekommen sind, hat es sich sehr natürlich angefühlt. Ich hatte dann auch keine Probleme, das den Leuten mitzuteilen.

In den USA wie auch hier wird die Debatte um die Homo-Ehe hoch emotional geführt. Wie bewerten Sie das?

Ich sehe große Parallelen zur Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre. Irgendwann werden die Leute zurückblicken und sich fragen, wie das nicht erlaubt sein konnte. Es ist total verrückt, dass heute noch Leute dagegen sind. Ich glaube, letztlich sind das wirtschaftliche Gründe, warum die Leute dagegen sind. Sie wollen keine Versicherung bezahlen und all die anderen Dinge, die mit der Ehe einhergehen. Aber das wird sich ändern. Die meisten Menschen wollen leben und leben lassen.

Das Interview führte Patrick Schirmer Sastre.

The B-52s, 21. 8., Zitadelle Spandau, Am Juliusturm. Tickets ab 44,15 Euro.