Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes könnte Deutschland ein neuer Dürresommer bevorstehen, falls die gegenwärtige Trockenheit in den nächsten Monaten anhält. Doch was kann man bereits jetzt zur Wetterentwicklung des Jahres sagen und welche Vorhersagen sind überhaupt möglich? Fragen an den Meteorologen Jürgen Schmidt vom Wetterkontor.

Herr Schmidt, ist es zurzeit in unserer Region wirklich ungewöhnlich trocken?

Ja, seit dem 29. März wurden in der Messstation Berlin-Tegel nur vier Prozent der Niederschlagsmenge gemessen, die durchschnittlich in diesem Zeitraum fällt. Es waren nur 1,2 Liter pro Quadratmeter. Dafür lag die Sonnenscheindauer um 15 Prozent über dem Durchschnitt. Unser Bezugssystem ist dabei das 30-jährige Mittel der Jahre 1981 bis 2010.

Wie sieht es generell aus? Ist 2019 bisher ein zu trockenes Jahr?

Das kann man nicht sagen. Von Januar bis März fielen in Berlin 125,3 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Niederschlagsmenge lag über dem langjährigen Mittel von 118 Litern. Das Jahr hat also nicht zu trocken begonnen, sondern eher niederschlagsreicher als im Durchschnitt.

Was ist dann die Ursache für die Trockenheit im April?

Es sind Hochdruckgebiete über Skandinavien, die sich immer wieder regenerieren. Sie verhindern seit Anfang April, dass Tiefs zu uns durchkommen. Bisher gab es drei Hochdruckgebiete: „Jana“, „Katharina“ und „Leonore“. Wenn die Hochs über Skandinavien sich verfestigen, könnte es durch die dann vorherrschenden östlichen Winde weiter zu trocken bleiben, mit der Wahrscheinlichkeit hoher Waldbrandgefahr. In den nächsten Tagen, vor allem am kommenden Wochenende, soll es zunächst wieder mehr regnen. Aber bis Monatsende werden wahrscheinlich nicht mehr als zehn Liter pro Quadratmeter zusammenkommen.

Kann man denn jetzt schon voraussehen, wie der Sommer in diesem Jahr wird?

Auf den weiteren Verlauf des Jahres kann man jetzt noch nicht schließen. Es könnte auch noch einen feuchten Mai und einen verregneten Sommer geben. Im letzten Jahr zum Beispiel lag im April der Niederschlag in Berlin um 15 Prozent über dem 30-jährigen Mittel. Ein Dürresommer war nicht vorauszusehen – obwohl es bereits viele trockene Tage gab und es im Durchschnitt um vier Grad Celsius zu warm war. Interessanterweise ist in Berlin der April im Durchschnitt der trockenste Monat des Jahres, während es anderswo meist der Februar ist.