Eine Dose mit Wittenberger „Lutherbrodt“ erinnert daran, dass Alexander Kaczmarek einige Jahre lang in Sachsen-Anhalt gearbeitet hat. Doch jetzt ist er wieder hier, als Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für Berlin. Von seinem Büro hoch oben im 17. Stock des Bahn-Towers am Potsdamer Platz hat der 52-Jährige einen prächtigen Blick auf die Stadt, aus der er stammt – und in der er das nicht immer beliebte Bundesunternehmen DB gegenüber Politikern, Bürgern und Behörden vertritt.

Die DB hat ein schönes Weihnachtsgeschenk bekommen. Ihr Tochterunternehmen S-Bahn Berlin GmbH hat die Ausschreibung gewonnen und wird auch in Zukunft den Ring betreiben. Freut Sie das?

Ja! Das freut mich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der S-Bahn. Es freut mich natürlich auch für Berlin und Brandenburg. Wir brauchen dringend Investitionen in neue Züge, und die sind erst nach erfolgtem Zuschlag möglich.

Wäre Konkurrenz für Berlin und auch die DB nicht besser?

Konkurrenz ist immer gut, damit kennt sich die Deutsche Bahn gut aus. Allerdings: Es wäre eine große organisatorische Herausforderung, ein besonderes technisches System wie die S-Bahn unter verschiedenen Betreibern aufzuteilen.

Kritiker sagen, dass der Senat das Vergabeverfahren auf die DB zugeschnitten hat, weil er keinen Wettbewerb wollte. Und dass die DB als zum Schluss einziger Bewerber einen hohen Preis diktieren konnte.

Das ist Unsinn. Das Verfahren hat deshalb so lange gedauert, weil die Verantwortlichen klare Vorstellungen hatten, was sie wollten. Für uns gab es keine Spezialbehandlung. Das wäre auch rechtlich nicht in Ordnung gewesen. Der Senat ist da über jeden Zweifel erhaben.

Was wird für die Fahrgäste besser?

Sie bekommen neue S-Bahn-Züge, die ersten 2021. Damit können wir den Betrieb mit höchster Zuverlässigkeit durchführen.

Die Züge von Siemens und Stadler Pankow werden über Klimatisierung und Videoüberwachung verfügen. Warum ist das nicht auch bei den jetzigen S-Bahnen möglich?

Wir befassen uns schon lange mit der Umrüstung von älteren Fahrzeugen. Doch das stößt irgendwann an Grenzen. Technisch, weil die Lebenszeit endlich ist. Aber auch, was die Zulassung anbelangt: Wer zu viel an Zügen herumbastelt, muss sich eine neue Zulassung besorgen, und das ist schwierig. Beim Thema Video geht es aber auch um eine grundsätzliche Frage: die Sicherheit der Fahrgäste. Und dazu kann ich nur sagen: Objektiv, was die Kriminalitätszahlen anbelangt, ist der Nahverkehr sicherer als der übrige öffentliche Raum. Damit auch das Sicherheitsgefühl stimmt, haben wir viel Personal im Einsatz. Das ist besser als Kameras, die kein Verbrechen verhindern und vor allem der Beweissicherung dienen.

Was macht Sie so sicher, dass die neuen Berliner S-Bahnen nicht auch irgendwelche Macken haben?

Wir haben aus der S-Bahn-Krise von 2009 gelernt, die Fahrzeughersteller ebenfalls.

Von Weichen- und Signalstörungen, wie es sie oft bei der DB gibt, werden auch die neuen Züge betroffen sein.

In einem so komplexen System wie der Berliner S-Bahn wird es immer mal wieder Störungen geben. Wie widerstandsfähig dieses System bei Störungen ist, stellt für uns eine wichtige Frage dar. Und da haben wir wegen der vielen eingleisigen Abschnitte ein echtes Problem. Störungsbedingte Verspätungen übertragen sich leicht. Wir arbeiten immer noch Stalins Rache ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zweite Gleise abgebaut, sie gingen als Reparation in die Sowjetunion. Und im Kalten Krieg wurde das S-Bahn-Netz dann getrennt.

Wenn Sie einen Sack Geld zur Verfügung hätten: Wo würden sie als Erstes zusätzliche Gleise verlegen?

Als Erstes würde ich in Westend die dritte Bahnsteigkante wieder in Betrieb nehmen, damit wir den Betrieb auf dem Ring stabilisieren können. Dann würde ich zwischen Wannsee und Potsdam das zweite Gleis wieder aufbauen. Mit dem Projekt, auch nach Tegel wieder zweigleisig zu werden, sind wir gerade schon auf einem guten Weg.

Sollte nicht auch die S-Bahn von Spandau nach Falkensee endlich wiederaufgebaut werden?

Sagen wir es mal so: Ich hielte es für sehr wichtig, dass wir in diesem Streckenkorridor, in dem auch sehr viele Fern- und Regionalzüge unterwegs sind, zusätzliche Kapazitäten schaffen. Die brauchen wir dringend, denn wir haben dort einen Engpass. Die beste Möglichkeit, ihn zu beseitigen, wäre die S-Bahn-Verlängerung ins Havelland. Sie würde den zweiten Engpass im Bahnhof Spandau nicht zusätzlich belasten, sondern entlasten.

Gleich nach Ihrer Rückkehr nach Berlin bekamen sie es mit erbosten Lichtenradern zu tun, die gegen den Neubau der Dresdner Bahn protestieren. Haben Sie es schon bereut, dass Sie zurückgekehrt sind?

Keine Sekunde! Ich bin ja gebürtiger Neuköllner, da ist man abgehärtet. Und die Thematik Dresdner Bahn ist mir schon seit 20 Jahren geläufig. Sicher, in Berlin geht es manchmal härter zur Sache als anderswo. Doch in diesem Fall hat das Eisenbahn-Bundesamt entschieden und das Projekt genehmigt. Das ist für uns entscheidend.

+++ Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wo Alexander Kaczmarek zusätzliche Gleise verlege würde +++