Das Prince Charles feiert am Sonnabend seinen dritten Geburtstag. Der Club im Aufbau Haus am Moritzplatz hat sich zu einer Institution im Kreuzberger Nachtleben entwickelt – das Publikum ist gemischt, und schön von Jung bis Älter. Vor dem Türsteher müsse auch keiner Angst haben, denn kategorisch verwehre man niemandem den Zutritt, sagt Clubmanager Michel Niknafs, 25. Im Interview erklärt er, wie der Club mit seinem unprätentiösen Konzept die oftmals zu coolen Berliner für sich begeistert.

Herr Niknafs, wo würden Sie das Prince Charles in der Berliner Clublandschaft verorten?

Das Prince Charles ist, schon wegen seiner geografischen Lage zwischen Kreuzberg und Mitte, ein Mix aus zwei Welten, den es bisher in Berlin so vielleicht noch nicht gab. Hier lernen sich der Skaterboy aus Kreuzberg und die Mitte-Dame kennen. Wir sind offen für jeden. Wir sind das neue Kreuzberg.

Wieso haben Sie sich dafür entschieden, weder einen rauen Techno-Club wie das Berghain noch einen Partyspielplatz wie das Kater Blau zu eröffnen?

Konkret entschieden haben wir das nicht. Wir hatten keinen fixen Plan, eher eine Vision. Wir legen sehr viel Wert auf Qualität, vor allem bei der Musik. Damit meine ich nicht nur die elektronische, sondern auch den Hip-Hop. Diese musikalische Ambivalenz macht uns aus. Wir wollten etwas Neues schaffen. Wir haben den Leuten die Plattform geboten, und sie haben das Prince Charles zu dem gemacht, was es heute ist.

Wie erziehen Sie die Berliner Techno-Hipster zu HipHop-Hörern?

Tun wir das? Das Spannende ist, dass wir die Leute eigentlich nicht musikalisch erziehen müssen. Sie rennen uns donnerstags die Bude ein, weil sie wissen, dass hier Menschen für HipHop zusammenkommen, die sonst in die Panorama Bar gehen. Sie kommen, weil wir HipHop zelebrieren, die Musik unserer Jugend zusammen wiederentdecken, ohne Gangster in Baggy-Pants und Schlägereien auf Toiletten. HipHop ist zurück! Die Leute haben richtig Bock drauf, nicht zuletzt weil die Atmosphäre weniger anonym ist als in dunklen Techno-Kellern. Man kann sich unterhalten, während die Beats im Hintergrund laufen. Dennoch behalten wir immer die Balance zwischen House, HipHop und Entertainment.

Hatten Sie nie Angst davor, mit dieser Idee zu scheitern?

Angst hatten wir ganz oft. Im Clubbetrieb kann man meistens nur ein halbes Jahr vorausplanen. Allerdings wurden wir mit dem, was wir gemacht haben, stufenweise immer besser angenommen. Inzwischen sagen uns Leuten schon, dass sich eine Community gebildet hat. Würde das Prince Charles morgen schließen, gäbe es Menschen, die traurig wären, weil sie nicht mehr wüssten, wo sie hingehen sollen. Vielleicht weil es so einen vielseitigen Club momentan nur einmal in der Stadt gibt.

Ihr Programm beschränkt sich aber nicht nur auf Partys?

Als Teil des Aufbau Hauses, mit Verlagen, Grafikern und einem Theater als Nachbarn, wollen wir natürlich in der Kreativ- und Kulturszene mitmischen. Es gibt bei uns Buchvorstellungen und Lesungen von thematisch passenden Autoren wie beispielsweise Tim Renner. Im Sommer hatten wir unser Open-Air-Kino, das im nächsten Jahr wieder stattfinden soll. Nicht zu vergessen die Konzerte. Ich habe bei der Plattenfirma Universal Music eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht und war immer daran interessiert, hier Konzerte zu veranstalten.

Der Club ist ein charmanter Ort, an dem mit 350 Leuten eine intime Atmosphäre herrscht. Für viele Künstler, auch große, ist es deshalb interessant, ihre neuen Platten bei uns vorzustellen. Wir hatten schon Künstler wie Nicolas Jaar, Fritz Kalkbrenner, Kool Savas oder den A$AP MOB aus New York hier. Zudem haben wir auch immer schon besonderen Wert auf die Qualität der Getränke gelegt. Wir haben eine hochkarätige Cocktail-Bar, an der es auch Eckkneipen-Bier gibt. Wir verstehen uns selbst als Pre-Hour-Club. Ganz Berlin strebt nach der morgendlichen After-Hour, wir streben nach der abendlichen Pre-Hour: Zu uns kann man schon am Freitagabend um 21 Uhr kommen und einen guten Cocktail trinken zu internationalen DJs-Sets.

Das will man aber nicht auf leeren Magen …

Richtig. Deshalb gehört zum Prince-Charles-Kollektiv auch das Restaurant Parker Bowles. Mein Partner Quirin Schwank, der den Club mit aufgebaut hat, betreibt es auch hier im Aufbau Haus seit Anfang des Jahres mit Oliver Rother, einem erfahrenen Gastronom.

Aber zu vielen Clubs gehören mittlerweile Restaurants.

Das Parker Bowles versteht sich schon als eigenständiges Restaurant. Natürlich gibt es Synergien, die wir nutzen. Dieses Genuss-Ding, das hier gerade kommt, mit den Street-Food-Märkten, den Foodies und den Leuten, die sich gesund ernähren und trotzdem exzessiv feiern wollen, das ist das neue Berlin – nach dem Motto von Montag bis Freitag Tofu essen und sich mit Detox-Drinks regenerieren wollen, aber am Wochenende drei Tage lang Party. Das ist also nicht unsere Erfindung, sondern in gewissem Maß sogar unser eigenes Leben. Wir machen uns das Leben eben, wie es uns gefällt, hier am Moritzplatz.

Das Gespräch führte Laura Miess.