Berlin - Das Schöneberger Start-up Emio ist hierzulande der Pionier des E-Roller-Sharings. Seit 2015 ist es in Berlin im Geschäft, vermietet stationslos 150 Elektroscooter. Valerian Seither ist Mitgründer und Co-Chef des bislang konkurrenzlos agierenden Unternehmens.

Herr Seither, hat Sie der Auftritt von Bosch überrascht?

Nicht völlig. Wir wussten zwar, dass Bosch etwas in dieser Richtung plant, kannten aber natürlich keine Details. Außerdem wird bekanntlich gerade in Großkonzernen nicht jeder Plan wirklich umgesetzt.

Wie fühlt es sich an, wenn man als Pionier mühsam Investoren sucht, um eine Idee umsetzen zu können, und dann kommt ein großer Player und stellt aus dem Stand eine Flotte mit 200 Rollern auf die Straße?

Natürlich ist das erst einmal schwierig. Da ist plötzlich einer mit viel Geld, kopiert deine Idee und will den Acker bewirtschaften, den du selbst urbar gemacht hast. Das ist der erste Gedanke. Dann ist es aber vor allem eine Bestätigung unserer Idee. Wenn auch ein Großkonzern daran glaubt, heißt das doch nur, dass wir bislang eine Menge richtig gemacht haben.

Aber hat Emio gegen Bosch eine Chance?

Absolut. Wir nehmen die Konkurrenz sehr ernst, aber wir sehen auch unseren Platz auf dem Markt, der allemal groß genug für wenigstens zwei Player ist. Jedenfalls denken wir nicht ans Aufgeben, denn Geld ist zwar viel, aber nicht alles. Wir haben sehr viele Erfahrungen gesammelt und wissen, dass es nicht damit getan ist, Roller auf die Straße zu stellen. Die Prozesse müssen entwickelt, eine Kundenbasis aufgebaut und der Service garantiert werden. Andererseits profitieren wir davon, dass durch Bosch jetzt das E-Scooter-Sharing noch bekannter wird. Wer sich bei Coup anmeldet, wird sich bestimmt auch bei uns anmelden.

Wie viele registrierte Nutzer haben Sie inzwischen?

Mittlerweile sind es rund 10 000.

Bei den 150 Rollern vom Frühjahr ist es dagegen geblieben.

Das ist richtig. Wir haben es leider nicht geschafft, weitere Roller rechtzeitig zu Beginn der diesjährigen Saison auf die Straße zu bringen, und später machte es wirtschaftlich wenig Sinn. Also haben wir den Ausbau unserer Flotte auf das Frühjahr 2017 verschoben.

Das heißt konkret?

Wir wollen unsere Flotte verdoppeln, dann etwa 300 Roller im Einsatz haben.

Seit Monatsbeginn ist Emio zudem auch in Stuttgart aktiv. Wie kam es dazu?

Die Stuttgarter Stadtwerke wollen sich dort als Mobilitätsanbieter positionieren und haben sich in Berlin angesehen, was wir hier machen. So kam der Kontakt mit uns zustande. Das Ergebnis heißt Stella-Sharing, funktioniert wie Emio-Sharing und wird von uns komplett service- und softwareseitig betreut. Wir bauen auch die Elektroroller für ihren Einsatz um.

Wie viele Roller sind dort im Einsatz?

In der jetzt begonnenen Testphase sind es noch 15 Roller. Im Frühjahr sollen es 75 Roller sein.

Dass Stuttgart auch die Heimat von Bosch ist, ist Zufall?

Ja, spricht aber auch für uns.

Das Gespräch führte Jochen Knoblach.