Krawall ist seine Sache nicht: Mag die Konkurrenz mit der Beschimpfung ihrer Passagiere um Aufmerksamkeit buhlen, Easyjets Deutschlandchef Thomas Haagensen gibt sich zurückhaltend. Das mag an seiner skandinavischen Herkunft liegen, oder daran, dass es gut läuft bei Easyjet: die Passagierzahlen wachsen, die Gewinne auch.

Herr Haagensen, nachdem Easyjet jahrelang der einzige große Billigflieger in Berlin war, ist ihr schärfster Konkurrent Ryanair zurück in der Hauptstadt. Macht Sie das nervös?

Nein, da bin ich sehr gelassen. Wir sind seit über zehn Jahren in Berlin und wachsen hier kontinuierlich. Allein im letzten Jahr haben wir in Deutschland um 15 Prozent zugelegt. In Berlin betrug das Wachstum nur fünf Prozent. Hier ist uns die Sanierung der Nordbahn in Schönefeld dazwischen gekommen, deshalb konnten wir nicht so stark wachsen, wie geplant. Aber das holen wir nach. Wir werden in der nächsten Woche neue Strecken bekanntgeben, auch von und nach Berlin. Dennoch bringen wir es schon heute mit neun Flugzeugen auf 4,5 Millionen Passagiere, die von und nach Berlin fliegen.

Ryanair hat sich die Zielmarke von 3,5 Millionen Passagieren gesetzt. Reicht die Nachfrage dafür?

Ich glaube, dass der Markt das hergibt, denn er wächst rasant. Aber natürlich gibt es auf einigen Strecken einen harten Wettbewerb und Überkapazitäten. In ein paar Jahren werden wir sehen, wer sich hier durchsetzt. Ich bin da für uns sehr zuversichtlich. Wir würden nicht weitere Strecken anbieten, wenn wir nicht noch mehr Potenzial für Berlin sehen würden.

Ryanair bietet die Flüge teilweise noch deutlich billiger an als Sie. Wie werden Sie darauf reagieren?

Man muss die Durchschnittspreise über einen längeren Zeitraum betrachten, da gleicht sich das aus. Wenn eine neue Airline auf den Markt kommt, muss sie Marktanteile kaufen. Das tut sie mit Lockangeboten. Für uns ist aber nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch der Service. Am Ende zählt das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Werden Sie dennoch auf Strecken, auf denen Ryanair Ihnen Kunden abjagen will, die Preise senken?

Unsere Preise werden konkurrenzfähig bleiben, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Es ist ein normales Phänomen in unserer Branche, dass die Preise auf Strecken sinken, die hart umkämpft sind. Außerdem wächst die Branche insgesamt. Der Kuchen, den es zu verteilen gibt, wird also größer.

Wird er das wirklich? Air Berlin zum Beispiel hat große Schwierigkeiten.

Pleitegerüchte gibt es schon lange um viele Airlines. Das passiert aber nicht von einem Tag auf den anderen. Wenn eine Airline pleitegeht, ist die Ursache meist entweder, dass der Markt nicht interessant genug ist oder, dass sie ihre Kosten nicht in den Griff bekommt.

Easyjet ist am Markt erfolgreich, hat laut Umfragen aber ein fast so schlechtes Image wie Ryanair. Wie lange können Sie damit leben?

Ich habe da ganz andere Erkenntnisse. Es stimmt, manche Menschen haben gegenüber Billigfliegern Vorurteile, deshalb auch uns gegenüber. Aber wenn sie ihren ersten Flug hinter sich haben, ändern sie ihre Meinung in der Regel.

Der Personalchef von Air France wurde kürzlich von seinen Mitarbeitern verprügelt, als er einen Stellenabbau ankündigte. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Wir müssen glücklicherweise nicht umstrukturieren. In dieser glücklichen Lage sind wir, weil wir weniger komplex organisiert sind und weil wir strikt auf unsere Kosten achten. Das ist unsere Obsession, und das muss so bleiben. Wir wachsen, und wir stellen kontinuierlich neues Personal ein. Was uns von einigen anderen Low-Cost-Carriern unterscheidet, ist übrigens, dass wir unsere Leute immer in den Ländern anstellen und bezahlen, wo ihre Flugzeuge stationiert sind. In Berlin sind es 350 Leute, die alle deutsche Arbeitsverträge haben und für die wir hier Abgaben leisten.

Wenn es gut läuft, zieht Easyjet in zwei Jahren an den BER. Vertrauen Sie dem Flughafenmanagement, dass dieser Zeitplan hält?

Uns ist erstmal wichtig, dass die Lage in Schönefeld besser wird. In den nächsten Monaten gibt es dort Investitionen, die Zahl der Sicherheitskontrollen wird erhöht, in Terminal B wird mehr Platz geschaffen. Damit sind wir zufrieden. Wir wollen in Schönefeld weiter wachsen. Was den BER betrifft, hören wir wie Sie immer wieder die unterschiedlichsten Dinge.

Das Terminal in Schönefeld wird auch nach der Eröffnung des BER in Betrieb bleiben. Erwägen Sie, dort zu bleiben?

Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Wir haben einen Platz am BER, und es ist sinnvoll, dass wir dorthin ziehen. Wann und wie das geschieht, dazu gibt es viele Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben.

Ist es ein Problem für Easyjet, wenn die Eröffnung erneut verschoben wird?

Wir haben in Berlin bewiesen, dass wir uns sehr gut an unterschiedliche Voraussetzungen anpassen können (lacht). Zuletzt mussten wir das im Zusammenhang mit der Sanierung der Nordbahn tun. 2012 hatten wir schon unseren Flugplan für den BER veröffentlicht und mussten sehr kurzfristig umplanen. Das haben wir geschafft, aber es ist sehr wichtig für uns, dass wir in den nächsten zwei Jahren stabil planen können.

Das Gespräch führten Frederik Bombosch und Sebastian Wolff.