Viele große Bauvorhaben hat Franz-Josef Schlapka, Experte für strategisches Projektmanagement, im In- und Ausland betreut. Die Probleme am BER beobachtet der Berliner Bauingenieur seit Jahren kritisch.

Herr Schlapka, täuscht der Eindruck, dass dieses Jahr auf dem Flughafen fast nichts passiert ist?

Planerisch scheint durchaus etwas gemacht worden zu sein. Aber ausgeführt wurde offenbar wenig.

Welche Bilanz ziehen Sie für 2013?

Dieses Jahr hat man wieder einmal einen Personalfehler hinzugefügt. Ich bin der Meinung, dass man bei den Leuten, die eingesetzt waren, hätte bleiben müssen...

...Sie meinen den geschassten Technikchef Horst Amann?

Ja, nach meiner Kenntnis hat er sich nichts zuschulden kommen lassen. Man muss bei solchen Projekten mit längerem Atem dran bleiben, man muss Gedanken zu Ende denken und angefangene Arbeiten beenden. Das scheint hier nicht im Vordergrund zu stehen.

Was war bei Amann das Problem?

Mehdorn und Amann sind beide Alpha-Tiere. Sie haben sich nicht vertragen. Es wäre Sache des Aufsichtsrates gewesen, den Streit beizulegen und mit Hilfe des Geschäftsverteilungsplans für klare Befugnisse zu sorgen. Man regelt das nicht, indem man den einen davonjagt. Schon gar nicht den, der die Kenntnisse hatte. Das war völlig verfehlt. Man koppelt sich damit von vielen Informationen ab, die wichtig sind. Der Flughafen hat durch solche Personalentscheidungen traurige Berühmtheit erlangt.

Die Flughafengesellschaft kann nicht sagen, was jeden Monat an Kosten anfallen. Auch einen Zeitplan scheint es nicht zu geben. Wie geht das an?

Offenbar gibt es kein klares Konzept, wie man die Probleme bereinigen will. Eigentlich müsste das inzwischen stehen, auch zu den Kosten. Aber man muss hier zwischen den Ausgaben der Fertigstellung und Schadenersatz unterscheiden. Es ist unklar, welche Ansprüche später durchgesetzt werden. Deshalb ist das sicher schwer zu berechnen.

Wird 2014 der Pier Nord eröffnen?

Schwer zu sagen. Ich frage mich eher nach dem Sinn der Übung. Klar, man nimmt mit der Teileröffnung Druck aus dem Thema. Aber es sieht mir eher nach einem Ablenkungsmanöver aus, mit dem nicht viel erreicht wird.

Was wäre stattdessen zu tun?

Das lässt sich nicht ohne Weiteres sagen. Dafür müsste man mehr über den Sachstand wissen. Gerade darüber gibt es aber keine Informationen, die eine einigermaßen sichere Beurteilung zuließen.

Was muss 2014 besser gemacht werden?

Ich würde mir wünschen, dass im Hinblick auf die personelle Besetzung Kontinuität beim Projektmanagement eintritt. Mir scheint, es rollen dauernd Köpfe, aber es geht nicht voran. Wenn es so weitergeht, werden wir in zwei, drei Jahren noch immer solche Interviews führen. Man muss die Leute einfach mal arbeiten lassen.

Interview: Sebastian Höhn