Berlin - Gut hundert Tage nach ihrem Amtsantritt wirkt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) recht zufrieden. Die Bezirke fordert sie auf, genaue Bedarfszahlen für Kitaplätze vorzulegen.

Frau Scheeres, was hat Sie in Ihrem neuen Job am meisten überrascht?

Mich hat gefreut, wie offen Lehrer, Schulleiter, Professoren oder Uni-Präsidenten auf mich zugegangen sind. Von Anfang an war ein guter Kontakt da.

Befürchten Sie nicht, dass manche heimlich etwas anderes sagen?

Das kann schon sein. Bildung ist ein debattenreiches Politikfeld. Ich habe zum Beispiel den Schulleitern klar gesagt, dass ich beim Übergang aufs Gymnasium gegen einen Numerus clausus bin und das Probejahr erst einmal beibehalten will. Das passt sicher nicht allen.

Manche Schulleiter wollen das Losverfahren abschaffen und einen Numerus clausus (NC) für Gymnasien.

Ich kenne viele Eltern, die mit dem jetzigen Verfahren sehr zufrieden sind. Deren Kinder haben dank des Losverfahrens an der Schule einen Platz gefunden, an der sie nach den bisher geltenden Kriterien nie untergekommen wären.

Was spricht gegen den NC als Zugangskriterium?

Wir wollen das Elternwahlrecht behalten. Nur den Notendurchschnitt zu nehmen, würde auch sozial benachteiligten Kindern Chancen verbauen. Und es gibt immer wieder Kinder, die mit einem Notenschnitt von 3,2 aufs Gymnasium gelangen und dort super klar kommen. Immerhin verblieben zuletzt 75 Prozent der Kinder ohne Gymnasialempfehlung an den Gymnasien.

Wie schwierig wird es, 19 000 neue Kita-Plätze bis 2015 einzurichten?

Das ist eine große Aufgabe. Verantwortung tragen auch die Bezirke. Sie müssen ihre Bedarfsplanung ordentlich machen. Es geht um viel Geld und wir wollen die Kita-Plätze zielgenau in den Quartieren schaffen, wo sie gebraucht werden.

Sie sind sauer auf die Bezirke?

Nein. Das ist ein normaler Prozess. Erst wenn wir belastbare Zahlen haben, können wir feststellen, wo Plätze fehlen. Da muss es auch bezirksübergreifende Abstimmung und Zusammenarbeit geben. Wenn an der Bezirksgrenze auf der anderen Straßenseite Kitaplätze fehlen oder frei sind, muss auch das berücksichtigt werden.

Wie helfen Sie den Kitas?

Wir werden unter anderem Starthilfen für Elterninitiativ-Kitas geben. Wenn Eltern eine Wohnung oder ein Ladenlokal zur Kita machen wollen, dann werden sie pro Kind eine bestimmte Geldsumme bekommen. Damit können sie den Umbau und die Ausstattung, Tapezier- und Malermaterial oder auch Handwerker bezahlen.

Werden Sie die Auslastung der Kitas stärker kontrollieren?

Eine Kita-Stechuhr wird es nicht geben. Ich will Flexibilität, das ist für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Also: Wenn das Kind in der einen Woche früher abgeholt wird, weil im Beruf weniger zu tun ist und dafür in der Woche drauf später, weil viel los ist, dann muss das gehen. Es ist aber auch nicht akzeptabel, wenn ein Kita-Träger den Eltern sagt, ihr müsst unbedingt einen Vertrag über neun Stunden täglich abschließen, sonst kriegt ihr keinen Platz. In einer Arbeitsgruppe von Bildungs- und Finanzverwaltung schauen wir uns dieses Thema insgesamt gerade an.