Andreas Knieriem leitet seit April dieses Jahres den Berliner Zoo und dessen hundertprozentige Tochter, den Tierpark Friedrichsfelde. Auf dem gelernten Tierarzt ruhen alle Hoffnungen, dass er dem Tierpark im Ostteil der Stadt mehr Besucher bescheren möge und ihn so aus den roten Zahlen führt. Wir treffen ihn in seinem Büro im Zoo, durchs Fenster sieht man den Elefantenbullen Viktor in seinem Gehege spazieren. Auf dem Gelände des Zoos lebt Knieriem mit seiner Frau und der achtjährigen Tochter in einer Dienstwohnung.

Herr Knieriem, wohnt es sich angenehm so dicht an der Arbeit?

Na ja, meine Frau fand es schon schön, als wir in Hannover, wo ich viele Jahre gearbeitet habe, nach ein paar Jahren aus der Dienstwohnung im Zoo raus an den Stadtrand gezogen sind. Da klingelte es abends nicht mehr so oft an der Haustür. Aber gerade in Umbruchzeiten ist es gut, keine Stunde mit unnötigen Anfahrten zu vertrödeln.

Für das Pendeln zwischen Zoo und Tierpark haben Sie sich als Dienstwagen ein Elektro-Auto bestellt. Ist es schon da?

Ja, und ich finde es wundervoll, völlig lautlos voran zu kommen. Gerade hier am Bahnhof Zoo, wo bestimmte Leute es lieben, ihre dicken Schlitten dröhnen zu lassen, ist das doch ein schöner Kontrast. Für den Tierpark mit seinen langen Wegen ist es ohnehin ideal.

Was zog Sie nach Berlin? München, wo sie zuvor fünf Jahre Zoodirektor waren, ist eine Stadt mit einer hohen Lebensqualität.

Das stimmt. München ist schön, und vor allem lieben die Münchner ihre Stadt und reden sich auch suboptimale Dinge schön. Bei denen ist der Himmel, wenn er nicht blau ist, dann halt weißblau. Die Berliner sind ruppiger und meckern gern mal über ihre Stadt. Aber mich fasziniert Berlin. Ich habe hier studiert und wäre damals schon gern geblieben, wenn es eine freie Stelle gegeben hätte.

Zunächst eine Prinzipienfrage: Braucht Berlin wirklich zwei Zoos?

Ja, dringend! In einer Stadt mit so großer Anziehungskraft wie Berlin, die Jahr für Jahr zweistellige Zuwachsraten bei den Touristen erzielt, reicht ein Zoo nicht aus. Drei Millionen Besucher im Jahr, viel mehr könnte der Zoo gar nicht verkraften. Er ist ja nur 32 Hektar groß und hat durch seine Zentrumslage keine Möglichkeit, sich zu erweitern. Beim Zoo kommt es darauf an, eine bessere Verteilung der Besucherströme auf die einzelnen Werktage zu erreichen. Der Tierpark hingegen könnte sich als Ausflugsziel für die Berliner entwickeln, bei dem man selbst an gut besuchten Tagen immer noch ein Naturgefühl genießen kann.

Der Zoo also für die Touristen und der Tierpark für die Berliner?

Genau das könnte ein Konzeptentwurf sein.

Bislang kommen die Lichtenberger, die Marzahner und die Hellersdorfer in den Tierpark. Warum nicht die Wilmersdorfer, die Steglitzer, die Leute aus Prenzlauer Berg?

Das ist die Frage, auf die wir eine Antwort finden müssen. Wahrscheinlich passt ihnen das Angebot nicht. Der Tierpark bietet viel Landschaft und Park, ist aber dort, wo Tiere sind, nur sehr funktional gebaut, überall Zäune und Gitter. Das entspricht nicht mehr unserer heutigen Zeit. Natürlich braucht ein Zoo Barrieren wie Zäune und Gräben. Wir wollen sie aber nicht in den Vordergrund stellen, sondern unsichtbar gestalten und harmonisch in die Landschaft einbinden. Das Motto lautet: Wir zeigen Tiere und Natur und nicht wir zeigen Tiere und Stall.

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