Berlin - Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gibt zu, dass er wegen des Flughafendebakels erheblich unter Druck steht. Dass man ihn nach seiner Gefühlslage fragt, mag er aber gar nicht. Dafür begründet er ausführlich, warum er als Aufsichtsratschef sich nichts vorzuwerfen hat.

Herr Wowereit, wann öffnet der neue Flughafen?

Nach der jetzigen Planung startet er am 17. März 2013. Aber wir sind dabei, das noch mal abzuchecken. Der neue Geschäftsführer hat den Auftrag bekommen, den Zeitplan sehr intensiv nachzuprüfen. Der Aufsichtsrat wird sich die Ergebnisse Mitte August vorstellen lassen.

Sie halten also eine nochmalige Verschiebung für möglich?

Nach den Vorkommnissen der letzten Wochen und Monate muss man besonders vorsichtig sein. Wir sind abhängig von der Einschätzung der Techniker, von den Planern, von den Firmen. Vieles greift ineinander, eins ist vom anderen abhängig. Wir haben in der letzten Aufsichtsratssitzung erneut alle Firmen angehört und alle haben gesagt: Ja, der Termin ist machbar. Aber sie lassen sich immer auch eine kleine Hintertür offen, nämlich wenn jeder darauf verweist, dass dann auch alle anderen Partner pünktlich fertig sein müssen.

Wie schlimm wäre für Sie eine weitere Verschiebung, es wäre schließlich die dritte in zwei Jahren?

Bei einer derartigen Komplexität des Bauvorhabens ist es immer riskant, einen Termin zu setzen. Aber man kann nicht einfach den Baufortschritt abwarten, bevor man Termine nennt. Schon weil die Fluggesellschaften ihre Flugpläne erstellen müssen und der Umzug organisiert werden muss...

...das beantwortet aber noch nicht unsere Frage. Wie schlimm wäre es für Sie persönlich?

Ich habe Ihnen ja gesagt: Wir sind dabei, den Termin noch einmal zu checken…

… nicht wieder diese Antwort bitte!Dann stellen Sie nicht dieselbe Frage! Es geht hier um das größte Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland. Da ist es völlig egal, wie es mir persönlich geht.

Der öffentliche Druck würde weiter steigen. Wie würden Sie auf Rücktrittsforderungen reagieren?

Ich kann Ihnen versichern, dass der Druck jetzt schon stark ist.

Bundesweit spricht man vom Berliner Flughafen-Desaster. Ist es auch für Sie eins?

Durch die Verschiebung ist ein Vertrauensverlust entstanden und natürlich auch ein Schaden. Die Erfolgsgeschichte der Berliner Flughafengesellschaft mit ihrer Expansion von 11 auf 25 Millionen Passagiere und dem ausgeweiteten Linienangebot ist dadurch aber nur unterbrochen worden. Das wird ein hervorragender Flughafen werden, und wir werden schon in ein, zwei Jahren über das zweite Terminal diskutieren, den sogenannten Satelliten.

Was haben Sie falsch gemacht? Welche Mitschuld haben Sie?

Es wird versucht, dem Aufsichtsrat die Funktion der Geschäftsführung zuzuschreiben. Das kann nicht sein. Ein Aufsichtsrat ist nicht in der Lage, die operativen Geschäfte zu führen. Er ist darauf angewiesen, welche Informationen an ihn her-angetragen werden. Selbstverständlich hat er Kontrollpflichten. Er muss kritisch nachfragen, selber recherchieren, Baubesichtigungen machen. Dies hat der Aufsichtsrat getan. Und Sie können sicher sein, dass unter meiner Führung kein Wohlfühlklima herrschte, es gab harte Auseinandersetzungen. Aber der Aufsichtsrat versteht sich auch als Unterstützer dieses Projekts.

Dass der Termin nicht zu halten war, ist in der Tat erst am 7. Mai offenkundig geworden und lag an der Brandschutzanlage. Das war sicher zu spät, aber bei allen Problemen, die wir kannten, hatten wir vorher doch keinen Anhaltspunkt, dass dadurch der Termin nicht zu halten sein würde. Im Übrigen sitzt im Aufsichtsrat nicht nur die Politik. Es ist ein Bankmanager dabei, ein Tourismusvertreter, die Arbeitnehmerseite. Auch die haben diese späte Erkenntnis, dass der Termin nicht zu halten war, nicht kommen sehen. Ich sehe nicht, welchen konkreten Vorwurf man dem Aufsichtsrat machen müsste.