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Die Invalidenstraße ist der Horror. Sperren engen die Fahrbahn ein, auch für Radfahrer sowie Fußgänger gibt es kaum noch Platz, und der Verkehr in Richtung Westen muss sich über eine lange Umleitung quälen. Damit nicht genug: In der Nacht zu Montag wird auch noch die Straßenbahnstrecke zur Schwartzkopffstraße für immer außer Betrieb gesetzt, und am 30. August wird die Chausseestraße gesperrt – ein Jahr lang. Die Baustelle im nördlichen Zentrum wird den Verkehr noch lange behindern. Doch dort ist alles in Ordnung. Das war die erstaunliche Botschaft, mit der die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Senat am Freitag aufwarteten.

„Es läuft gut. Wir sind zu 60 Prozent fertig“, sagte Uwe Kutscher, Bau-Chef der BVG. Dabei waren die Verantwortlichen schon oft wegen der Baustelle kritisiert worden. Auch der prominenteste Anlieger, Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), mokierte sich.

DDR vernichtete alle Pläne

Kein Wunder: Er konnte sein Gelände eines Tages nicht mehr mit dem Wagen verlassen, weil eine Baugrube plötzlich die Ausfahrt blockierte. Erbost rief Ramsauer Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) an. Vor dem Ministerium waren die Bauleute auf Reste eines Durchlasses für die Panke gestoßen. Nicht die einzige Überraschung im Untergrund, wie Katrin Vietzke von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung berichtete. „Zu DDR-Zeiten war dort Grenzgebiet. Um Fluchten zu verhindern, wurden nicht nur alle Kanäle zugemauert, vergittert oder mit Beton verplombt, sondern auch sämtliche Unterlagen vernichtet“, sagte die Ingenieurin.

Das Arbeitspensum ist enorm. Die Invalidenstraße wird nicht nur für 12,8 Millionen Euro auf vier Fahrstreifen verbreitert und für 30 Millionen Euro mit Straßenbahngleisen versehen. „Es werden auch für 23 Millionen Euro Leitungen erneuert – für Wasser, Strom, Fernwärme, Gas und Telekom“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). 70 Prozent der Bauzeit gehe dafür drauf. Nicht immer sei stringent darauf geachtet worden, ob Termine eingehalten werden. Aber inzwischen konnten die Zeitverluste eingeholt werden.

Auch Chausseestraße gesperrt

Zwar wird die Sperrung der Chausseestraße, die für die Abdichtung des U-Bahn-Tunnels erforderlich ist, weitere Probleme bescheren. Aber es gebe Grund zu hoffen. Aus Richtung Westen werde die Invalidenstraße zum Jahresende 2013 bis zum Schwarzen Weg fertig sein, Ende 2014 bis zur Chausseestraße. Der übrige Zeitplan soll im Frühjahr feststehen, so Uwe Kutscher.

Die 2,9 Kilometer lange Trasse, auf der Straßenbahnen der Linien M 6, M 8 und M 10 zum Hauptbahnhof fahren werden, könnte im August 2015 eröffnet werden. Dann sollen auch auf der gesamten Strecke wieder Autos in beiden Richtungen rollen. Eine lange Zeit bis dahin. Dafür hat Berlin dann die „modernste Innenstadtstraße Deutschlands“, sagte Kutscher.