Während di Verbände der Immobilienwirtschaft vor dem Mietendeckel warnen, lässt er andere Unternehmer kalt. 
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BerlinDie Verbände der Immobilienwirtschaft warnen seit Monaten davor, dass der Mietendeckel zum Investitionshindernis werde, doch manche privaten Unternehmen zeigen sich unbeeindruckt von der beschlossenen Regulierung.

Die Mähren AG, ein nach eigenen Angaben langfristig orientierter Bestandshalter mit Fokus auf Wohnimmobilien, erklärte jetzt jedenfalls, trotz Mietendeckels weiter in Berlin investieren zu wollen. „Die Immobilienpreise in Berlin haben aufgrund der Diskussionen um den Mietendeckel nachgegeben, dadurch nehmen für uns die Investitionsmöglichkeiten wieder zu“, erklärte Unternehmenschef Jakob Mähren.

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„Wir beobachten den Markt weiterhin intensiv, nutzen unsere profunden Marktkenntnisse und werden verstärkt investieren“, so Mähren. „Der Mietendeckel hat zur Folge, dass sich vor allem kurzfristig orientierte Investorengruppen zurückhalten“, sagt Mähren. Für langfristig agierende Investoren wie die Mähren AG sei Berlin aber „nach wie vor der attraktivste Wohnimmobilienmarkt Deutschlands“, so der Unternehmer.

Mieten werden für fünf jahre eingefroren 

Die Metropole werde sich in den kommenden Jahren weiterhin positiv entwickeln und sei in der IT-Branche und der Start-up-Szene weiterhin stark gefragt – national wie international. „Dementsprechend wird die Nachfrage nach Wohnungen auch in den kommenden Jahren anhalten“, schätzt Mähren.

Die Mähren AG, die 2002 gegründet wurde, investiert vor allem in Berliner Wohnimmobilien. Das Unternehmen kauft klassische Mietshäuser und Wohnanlagen sowie seit 2017 auch Gewerbeobjekte. Das Unternehmen erklärte, dass es einen Fokus „auf Developments von Wohnimmobilien setzen“ wolle.

Der Mietendeckel hat zur Folge, dass sich vor allem kurzfristig orientierte  Investorengruppen zurückhalten. Für langfristig agierende Investoren wie uns ist Berlin nach wie vor der attraktivste  Wohnimmobilienmarkt Deutschlands

Jakob Mähren, Chef der Berliner Immobilien-Investment-Gesellschaft Mähren AG

Dafür würden künftig verstärkt in Berlin und im nahen Umland Entwicklungsobjekte, Gewerbeliegenschaften und Baugrundstücke erworben. „Wir sind hervorragend aufgestellt, um Objekte gezielt nachzuverdichten oder komplett zu entwickeln“, so Jakob Mähren.

Durch den Mietendeckel werden zwar die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen für fünf Jahre weitgehend eingefroren. Ausgenommen sind jedoch Neubauten, die seit 2014 fertiggestellt wurden. Auch im Altbau sind manche Geschäftsmodelle weiter möglich. So erwarten Marktbeobachter, dass die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen weiter zunehmen wird.

„Der Mietendeckel berührt uns hier überhaupt nicht“

Die Umwandlung unterliegt zurzeit zwar gewissen Beschränkungen, ist aber nicht grundsätzlich verboten. Sollten die Kaufpreise von Mietshäusern aufgrund des Mietendeckels sinken, dürfte dies sogar dazu führen, dass das Umwandlungsgeschäft attraktiver wird – weil sich die Gewinnspanne bei den Weiterverkäufen erhöht.

Vor der Mähren AG hatte bereits die Groth Gruppe erklärt, den Bau eines neuen Stadtquartiers in Lichterfelde Süd ungeachtet des Mietendeckels zu realisieren. „Der Mietendeckel berührt uns hier überhaupt nicht“, hatte Unternehmenschef Klaus Groth bei der Präsentation der Pläne im November betont.

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Die Groth Gruppe will zwischen Osdorfer Straße und Anhalter Bahn unter dem Namen Neulichterfelde ein Stadtviertel mit 420 Reihenhäusern, rund 1540 Miet- und Eigentumswohnungen sowie 540 Sozialwohnungen errichten. Anfang 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis 2025/26 abgeschlossen werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 900 Millionen Euro.