Sie sagen, Sie wollen innerstädtische Strukturen erhalten. Die Bierstube Alt-Berlin in Mitte war eine echte Kiez-Kneipe, jetzt ist sie dicht, weil Sie das Haus sanieren, um es teurer zu vermieten...

Ich war in den letzten 15 Jahren Stammgast dort und habe die Atmosphäre immer sehr genossen. Es gab seit langem einen unbefristeten Mietvertrag, den der Betreiber aus gesundheitlichen Gründen nicht fortführen wollte. Ich habe noch mehrere Monate versucht, die Tradition mit einem anderen Betreiber und dem Original-Mobiliar in unmittelbarer Nachbarschaft fortzusetzen. Leider ist dies nicht gelungen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Immobilien aus, die Sie kaufen?

Zunächst betrachte ich alles aus Sicht des Verbrauchers, fast emotional, gefällt mir der Raum, die Lage, das Gebäude? Erst dann stelle ich wirtschaftliche Kalkulationen an. In neun von zehn Fällen funktioniert das.

Das Tacheles hat Sie mal gereizt. Haben Sie vor, da einzusteigen?

Das Tacheles wird offenbar zwangsversteigert, ob ich mich da beteilige, weiß ich noch nicht.

Sie sagten einmal, Sie wüssten, wie es in Berlin weitergehen soll, wichtig sei, dass man die Stadt versteht. Verstehen Sie die Stadt?

Ich durfte die Geschehnisse Berlins mehr als 30 Jahre begleiten. Bis etwa Mitte der 90er Jahre gab es insbesondere in Berlin-Mitte viele halblegale oder illegale Clubs, Restaurants, Bars, Kunst, Kultur und Subkultur. Das hat viele Menschen angezogen. Inzwischen ist die Subkultur überwiegend in andere Bezirke weitergezogen.

Und Mitte ist zu einem Mekka für jene geworden, die viel Geld haben...

Ich kenne viele Menschen, die als junge Leute in Mitte angefangen haben. Sie sind entweder noch da, weil sie enormen Erfolg haben, oder sie sind nicht mehr da, weil ihr Lebenskonzept nicht mehr zu diesem Ort passt. Ich kann Ihnen viele Beispiele nennen: Etwa Karl-Heinz Müller, er organisiert die Modemesse Bread & Butter und hat damit viel für Berlin erreicht. Auch er hat mal klein angefangen, heute holt er während der Modewoche an die 100.000 Besucher in die Stadt – ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.

Also Mitte nur noch für die Großen, Erfolgreichen...

Erfolg hat nicht immer mit Geld zu tun. Wenn jemand gute Ideen hat, ist wirtschaftlicher Erfolg quasi ein Abfallprodukt seines Handelns. Wem es nur ums Geldverdienen geht, der wird nie wirklich Erfolg haben.

Sie sind auf dem Weg von der S-Bahn in die Redaktion über den Alexanderplatz gelaufen. Sie könnten am Alexanderplatz Hochhäuser bauen...

Mir würden bessere Orte einfallen. Sie müssen für Hochhäuser einen Markt haben, und dort ist es schwierig, Nutzer zu finden. Dazu brauchen Sie die Vorteile einer gut funktionierenden Nachbarschaft.

Herr Hines sieht das offenbar etwas anders, er plant dort ein Hochhaus.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein solches Projekt funktioniert. Aber das wird ein ganz, ganz langer Weg werden. Ich wünsche ihm viel Glück!

Hätte Sie ein Tempelhofer Feld gereizt?

Wer soll denn dort wohnen? Berlin ist flächenmäßig mit London oder Paris vergleichbar, hat aber nur ein Drittel der Einwohner. So lange man in den innerstädtischen Strukturen, sei es in Charlottenburg, Wilmersdorf, Mitte oder Kreuzberg, so viele Freiflächen hat, ist man doch nicht in der Zwangslage, ein Tempelhofer Feld zu bebauen.

Was hätten Sie denn mit dem Tempelhofer Feld gemacht?

Ich hätte dort nur Baulichkeiten zugelassen, wenn der Markt in anderen Teilen der Stadt nicht mehr befriedigt werden kann. Die öffentliche Hand hat doch gar nicht die finanziellen Möglichkeiten. Am Ende müssen private Investoren Bürohäuser, Einkaufscenter oder Wohngebäude bauen. Wie oft ist schon in der Vergangenheit in sehr großen Neubaugebieten ein nicht wirklich von der Bevölkerung geliebtes Ghetto entstanden.

Wenn es mehr städtische Wohnungen gäbe, würden die Mieten nicht so dramatisch steigen.

Dadurch, dass in Berlin sehr viel gebaut wird und viele Flächen zur Verfügung stehen, werden die Mieten nicht durch die Decke gehen. Der Anstieg der letzten Jahre ist schon gedämpft, Berlin ist immer noch die preiswerteste europäische Metropole überhaupt. Ich glaube, die Eigentumsquote wird steigen. Wenn Sie heute in guten Lagen neue Wohnungen errichten, werden 80 Prozent davon als Eigentumswohnungen verkauft. Mietwohnungsbau ist wirtschaftlich kaum darstellbar.

Machen aus Ihrer Sicht die Berliner Politiker alles richtig?

Es wird vieles besser gemacht als noch vor 15 Jahren. Man hat heute erkannt, dass private Investitionen die Entwicklung einer Stadt eher voran bringen, als sie zu bremsen. Ideologische Hürden sollten der Vergangenheit angehören.

Das Gespräch führten Sabine Deckwerth und Ulrich Paul.