IOC-Reform: Unergründliche Entscheidungen

Für David Owen, Chefkolumnist des britischen Fachportals insidethegames.biz, sucht das Internationale Olympische Komitee (IOC) nur einen europäischen Zählkandidaten. Der zu erwartende US-Bewerber werde so stark sein, schreibt Owen, dass sich Konkurrenten genötigt fühlen könnten, „ihr Pulver lieber bis zur nächsten Gelegenheit trocken zu halten“.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), spricht denn auch in einem Atemzug von den Sommerspielen 2024 und 2028. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Deutsche Fußball Bund die EM-Endrunde 2024 ausrichten möchte und beste Erfolgsaussichten hat. Die Olympische Charta aber besagt, die Spiele dürften von keinem anderen Ereignis in der Gastgeberstadt oder ihrer Umgebung beeinträchtigt werden.

Kein Problem, behaupten Hörmann und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, man müsse nur ein wenig zeitlichen Abstand lassen. Das sah man im IOC beim 2020-Bewerber Istanbul anders. Entweder-oder, so lautete die Vorgabe. Der türkische Bewerber verzichtete auf die EM-Kandidatur. Genützt hat es ihm nichts, die Spiele 2020 gingen nach Tokio.

Die Wege der Entscheidungsfindung im IOC sind unergründlich. Bei der technischen Beurteilung waren Sotschi (Ausrichter der Winterspiele 2014) und Rio de Janeiro (Ausrichter der Sommerspiele 2016) jeweils auf dem letzten Platz gelandet. Es geht also gar nicht um die besten Voraussetzungen, sondern um Politik.

Keiner weiß das besser als IOC-Präsident Thomas Bach. Der 60-jährige Jurist aus Tauberbischofsheim hatte seine eigene Wahl auch der Lobbyarbeit des kuwaitischen IOC-Mitglieds Ahmed Al-Sabah zu verdanken. Bach tritt nun als Reformer auf.

Dass er die Machtmechanik aushebeln will, der er selbst den Aufstieg verdankt, ist damit sicher nicht gemeint. Das Reformpaket, die Agenda 2020, ist eher eine Imagekampagne. Für die Winterspiele 2022 sind nur zwei Bewerber übrig: Almaty und Peking. Interessenten aus europäischen Rechtsstaaten gingen dem IOC reihenweise von der Fahne. Meist, weil die Bürger das finanzielle Abenteuer mehrheitlich ablehnten.

Sollen die Spiele nicht zunehmend als Zirkustournee durch autoritäre Staaten wahrgenommen werden, braucht das IOC für 2024 viele imposante Bewerber aus der westlichen Welt. Also sehen die 40 Empfehlungen der Reformagenda, über die das IOC Anfang Dezember in Monte Carlo befinden wird, auch eine Korrektur des Bewerbungsprozesses vor. Er soll weniger Geld verschlingen und die Eigenheiten der Bewerbungen stärker würdigen.

Das Positionspapier, das die Nationalen Olympischen Komitees aus Schweden, der Schweiz, Österreich und Deutschland zur Reform vorlegten, lässt allerdings keine Revolution erwarten. Das Quartett rät dem IOC, es möge „nicht zu früh zu viel“ verlangen, hofft auf eine Co-Finanzierung bei Werbekampagnen und empfiehlt, die Kosten für Infrastrukturprojekte einfach aus der olympischen Quittung rauszurechnen.