Iraner demonstrieren in Berlin: „Mahsa Amini darf nicht umsonst gestorben sein“

Auch am Wochenende ist in Berlin mit mehreren Protestaktionen zu rechnen. Am Mittwochabend forderten rund 400 Menschen den Rücktritt der Mullahs.

Um sich für Demokratie und Freiheit im Iran einzusetzen, finden in Berlin Demonstrationen statt, oft mit dem Bild der getöteten Mahsa Amini. Auch für das Wochenende sind Proteste angekündigt. 
Um sich für Demokratie und Freiheit im Iran einzusetzen, finden in Berlin Demonstrationen statt, oft mit dem Bild der getöteten Mahsa Amini. Auch für das Wochenende sind Proteste angekündigt. Kay Nietfeld/dpa

Kurz vor 17 Uhr ist vor dem Brandenburger Tor noch nicht klar, wer eigentlich zu den Demonstranten gehört und wer Tourist ist. Rund 50 Menschen stehen dort neben einem kleinen Zelt mit einer Bühne. Dann plötzlich, gegen 17 Uhr geht, alles ganz schnell: Der Pariser Platz füllt sich innerhalb weniger Minuten mit Hunderten Menschen, viele von ihnen Frauen aus dem Iran, die in Berlin leben, die meisten ohne Kopftuch. Einige Menschen verteilen Flyer, um 17.10 Uhr sind es schon 300 Menschen. 

„Wir müssen die Stimme der Frauen im Iran sein“, sagt die iranische Kriegsreporterin Düzen Tekkal. Ihr Verein Háwar.help hat zu der Demonstration aufgerufen. „Mahsa Amini darf nicht umsonst gestorben sein“ Sie meint die 22 Jahre alte Iranerin, die am 16. September starb, nachdem sie im Polizeigewahrsam in Teheran offensichtlich geschlagen wurde. Die deutsche Politik schweige bisher weitgehend zu diesem Thema. Tekkal sagt: „Was Mahsa Amini passiert ist, ist ein politisch gemachter Femizid.“
Sie wundere sich über die Außenministerin Annalena Baerbock, wo denn ihre oft angepriesene feministische Außenpolitik jetzt sei. Dann ruft sie noch einmal: „Wir sind die Stimmen all derer, die im Iran keine Stimme haben dürfen.“

Nach ihrem Vortrag ist der gesamte Pariser Platz mit Demonstranten gefüllt. Weit mehr als die angekündigten 300 Menschen sind gekommen. Auf den Plakaten steht: ,,Frauen, Leben, Freiheit“ und „Sei die Stimme für den Iran“. Damit wird auch auf ein Online-Hilfsprojekt hingewiesen, mit dem Menschen in Europa Personen im Iran unterstützen können: Auf der Webseite snowflake.torproject.org können Menschen dabei helfen, dass Iraner, die sich frei im Internet bewegen können, weniger verfolgt werden. 

Marjan Mirahmadi verteilt Flyer auf dem Pariser Platz. Die 33-Jährige möchte von der Situation iranischer Frauen erzählen. „Wir haben schon seit 40 Jahren eine schlechte Regierung“, sagt sie, „und das betrifft vor allem die Rechte von Frauen.“ Mirahmadi konnte mit ihren Eltern fliehen, aber möchte weiterhin von Berlin aus die Menschen im Iran unterstützen. „Ich hoffe, dass der Westen dabei hilft, dass keine Mädchen mehr von der sogenannten Moralpolizei getötet werden.“

In den vergangenen Tagen, seit dem Tod von Mahsa Amini, kam es in ganz Deutschland zu einer Vielzahl von Demonstrationen. Meist verbrannten Frauen ihre Kopftücher oder schnitten sich ihre Haare ab. Am kommenden Sonnabend sind in Berlin weitere Proteste geplant, zum Teil mit bis zu 4000 Teilnehmern. Der Bundestagsausschuss für Menschenrechte hatte am Mittwoch mitgeteilt: Man stehe hinter den Protesten und unterstütze Pläne der Bundesregierung sowie anderer Partnerländer für gezielte Sanktionen gegen den Iran.

Auch Mehran Behrouzfaghani ist wütend. Die gebürtige Iranerin sagt vor dem Brandenburger Tor: „Es ist unser Job, hier auf die Straße zu gehen, damit sich endlich etwas ändert.“ Im Iran sei die Situation schon seit Jahren sehr schlecht, es müsse sich endlich etwas ändern. „Die Menschen leiden und die Regierung“, sagt sie, „muss weg.“