Die Sicherheitsbehörden haben offenbar zwei islamistisch motivierte Anschläge auf Bahnstrecken in Berlin und Bayern aufgeklärt. Spezialeinheiten nahmen einen 42-Jährigen Iraker, der mit dem „Islamischen Staat“ (IS) sympathisieren soll, fest.

Am 7. Oktober vergangenen Jahres war auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt. Mit Metallteilen verstärkte Holzkeile waren auf den Gleisen aufgebracht, um einen darüberfahrenden Zug zum Entgleisen zu bringen. Ein ICE hatte die Hindernisse überfahren, wurde jedoch nur leicht beschädigt.

Anschlag auf Bahnstrecke in Karlshorst

In der Nähe des Tatorts bei Allersberg wurden ein arabisch verfasstes zweiseitiges Drohschreiben und ein in arabischer Sprache gesprühtes Graffito an einem Brückenpfeiler entdeckt. Diese hatten Bezug zu der Terrorgruppe „Islamischer Staat“.

Einen vergleichbaren Anschlag gab es am 24. Dezember  an einer Bahnstrecke in Karlshorst. Dabei wurde ein Oberleitungsschaden festgestellt. In Tatortnähe entdeckten Polizisten ebenfalls Drohschreiben in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS.

Ermittlungsgruppe gegründet

„Da die in Berlin und Allersberg aufgefundenen Schriftstücke augenscheinlich große Übereinstimmungen aufweisen, wurden die Ermittlungen in sehr enger Zusammenarbeit zwischen der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, der Generalstaatsanwaltschaft München und den Landeskriminalämtern Berlin und Bayern geführt“, teilte das Bayerische LKA am Mittwoch mit.

Nach dem Karlshorster Anschlag gründeten die Behörden eine länderübergreifende gemeinsame Ermittlungsgruppe „BAO Trasse“.

Konkreter Tatverdacht gegen 42-jährigen Iraker

Anhand der Spuren ergab sich ein konkreter Tatverdacht gegen den 42-jährigen Iraker, der in Wien wohnt und offensichtlich mit dem IS sympathisiert. Der verwendete Drucker für die Drohschreiben führte nach Angaben der Kronen-Zeitung zu dem Verdächtigen. Nach Angaben der Zeitung lebt er als anerkannter Flüchtling seit etwa zwei Jahrzehnten in Österreich. Er ist Mitarbeiter bei einer Security-Firma. Der IS-Fanatiker und Amerika-Hasser soll in der Armee seines Heimatlandes Irak gedient haben.  

Am Montag wurde er in der Nähe seiner Wiener Wohnung festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Wien erließ Haftbefehle wegen Verdachts terroristischer Straftaten, versuchten Mordes und schwerer Sachbeschädigung. Zudem wird der Mann unter anderem der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr beschuldigt.

Er wird derzeit von Ermittlern aus Berlin und Bayern in Wien vernommen.