Islam in Berlin: Tag der offenen Moschee trifft auf mäßige Resonanz

Neukölln, Sehitlik Moschee. Der Innenhof der großen Moschee am Columbiadamm ist voller Menschen. Die Gemeinde lädt zu Moscheeführungen, es gibt Vorträge über Flüchtlingshilfe und islamische Geschichte. Hier ist alles professionell organisiert, und das Interesse ist offenkundig groß. Die Sehitlik Moschee war schon in den vergangenen Jahren ein Besuchermagnet. Aber was tut sich in den kleineren Gemeinden? Zum Beispiel im Integrations- und Bildungszentrum e.V. Wedding, das zum Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) gehört?

In der Lindower Straße 18 in Wedding ist es ruhig. Und der Haupteingang ist auch nicht leicht zu finden. Auf einer großen Tafel am Eingang zu dem Gewerbehof sind mehrere Firmen, Ateliers und der Verein mit der dazugehörige Moschee Bayezid Camii im zweiten Stockwerk verzeichnet. Imam Kemal Demirhan ist allerdings hier nicht anzutreffen. Er ist gerade beim Fest am Nettelbeckplatz. Dieser befindet sich nur wenige Meter entfernt, und das Fest wird vom VIKZ Berlin organisiert. Der Platz ist gut gefüllt, viele Menschen sprechen Türkisch. Fleischspieße, Pommes, und Getränke werden an verschiedenen Ständen angeboten. Kinder toben auf einer Hüpfburg. Frauen, mal mit, mal ohne Kopftuch, Männer, mal mit Kopfbedeckung, mal ohne, dekorieren die Stände, das Fest kann beginnen.

Wochtags Nachhilfe, am Wochenende Koranunterricht

Auch Kemal Demirhan ist beschäftigt, er telefoniert, gibt gleichzeitig Anweisungen, Getränke hier hin, Essen dorthin. Kemal Demirhan ist 25 Jahre alt. Er sagt: „Der Tag der offenen Moschee findet sozusagen auch hier auf diesem Platz statt. Hier begegnen sich Moslems und Menschen, die zu anderen Religionsgemeinschaften gehören.“ Demirhan zeigt Besuchern aber auch gerne die Moschee. Früher seien zum Tag der offenen Tür mehr Besucher gekommen, erzählt er. Dass es dieses Mal anders ist, hänge vielleicht damit zusammen, „dass wir schon seit mehreren Jahren daran teilnehmen. Außerdem ist es nicht nach außen ersichtlich, dass sich in diesem Hof eine Moschee befindet.“

Kemal Demirhan erklärt den Fokus der Gemeindearbeit, die religiöse Bildung von jungen Muslimen. Am Wochenende haben hier Schüler von 10 bis 14 Uhr Koranunterricht. Während der Woche erhalten Kinder Nachhilfeunterricht. Das Haus habe nicht nur am Tag der offenen Moschee für Interessierte geöffnet, sagt Demirhan. Die Gemeinde arbeite auch mit der Polizei und diversen Grund- und Oberschulen zusammen, die an Moscheeführungen interessiert sind.

Auch die Mevlana Moschee am Kottbusser Tor in Kreuzberg, auf die im letzten Jahr ein Brandanschlag verübt wurde, ist auf den ersten Blick nicht als Moschee erkennbar. Junge Männer stehen vor dem Gelände und weisen Passanten auf den Tag der offenen Moschee hin. „Kommen Sie ruhig herein,“ sagen sie und verteilen Flyer. Gemeindemitglieder führen Besuchergruppen durch den Neubau der Moschee, der noch nicht fertiggestellt ist. Die Besucher wollen wissen, welche Bräuche im Islam wichtig sind, wann der Bau vollendet sein wird und wie sich die muslimische Gemeinde für Flüchtlinge einsetzt. Eine Besucherin sagt: „Ich bin aus Neugier hierher gekommen. Ich finde es gut, dass man sich nicht als Gemeinde abgrenzen will.“

Weiter geht’s Richtung Hermannplatz den Kottbusser Damm entlang zum muslimischen Kinderfest. Hier wird Essen an Flüchtlinge verteilt, Fleisch und Gemüse. Sollte etwas übrig bleiben, sei das kein Problem, sagt Mehmet Türker von der Islamischen Föderation. „Das, was zu viel an Essen ist, werden wir an Heime weitergeben.“