Ahmad Mansour: „Zieht nach Hamburg, wenn etwas aus eurem Leben werden soll!“

Bekannte Bewohner der Stadt blicken auf Berlin. Heute: Ahmad Mansour, der sich in der Stadt mehr Integration und mehr Durchmischung wünscht.

Kam 2004 aus Israel nach Berlin: Ahmad Mansour.
Kam 2004 aus Israel nach Berlin: Ahmad Mansour.Heike Steinweg

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Tipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat der Psychologe und Autor Ahmad Mansour unsere Fragen beantwortet. Der Sohn arabischer Israelis wuchs in einer nicht-praktizierenden muslimischen Familie auf und kam während der Schulzeit in Kontakt mit einem fundamentalistischen Imam. Sein Psychologiestudium in Tel Aviv half ihm, sich vom Islamismus zu lösen. Nachdem er einen Anschlag miterlebt hatte, ging er 2004 nach Deutschland.

Hier wird der 46-jährige Autor mehrerer Bücher als Islamismus-Experte immer wieder zu Seminaren und Workshops eingeladen. Er plädiert für eine innere Reform des Islam, auch in seinem aktuellen Werk „Operation Allah. Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will“, in dem es unter anderem heißt: „Das Schlimmste für den radikalen Islam wäre ein europäisch geprägter Islam mit demokratischen Werten. Deshalb brauchen wir genau den.“ Mansour lebt mit seiner Familie in Steglitz.

1.       Herr Mansour, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Seit 2004. Ich kam aus Israel nach Deutschland und bin seitdem in Berlin geblieben.

2.       Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Mein Studentenwohnheim im Dauerwaldweg in Westend.

3.       Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

An einem sonnigen Tag an den Wannsee.

4.       Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Aufgrund meiner Gefährdung: Neukölln und Wedding.

5.       Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Wer arabisches Essen mag, dem empfehle ich das Restaurant Casalot in der Nähe des U-Bahnhofs Oranienburger Tor.

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Zur Person
Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe und Autor. Geboren 1976 in Kfar Saba (Israel), besitzt er die israelische und die deutsche Staatsangehörigkeit. 2018 gründete Mansour in Berlin eine Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, die verschiedene Projekte im Bildungs- und Integrationsbereich sowie in Justizvollzugsanstalten durchführt.

Mansour engagiert sich gegen Antisemitismus. 2015 erschien sein Buch „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“. Seit kurzem ist sein viertes Buch „Operation Allah. Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will“, erschienen bei S. Fischer, erhältlich.

Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik und das Bundesverdienstkreuz am Bande.

6.       Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Shopping ist für mich ein Muss und kein Genuss, daher gehe ich meist dorthin, wohin mich meine Familie mitnimmt, und spätestens nach zehn Minuten suche ich mir in einer unauffälligen Ecke ein Sofa.

7.       Der beste Stadtteil Berlins ist …

Grunewald! Er befindet sich zwar in Berlin, aber mit etwas Abstand zum Zentrum. Es ist wie bei einem Ehepaar, das getrennt schläft. Es fühlt sich an, wie eine erwachsen gewordene Version dieser Stadt. Dort ist man geschützt und getrennt von all dem, was das Zentrum Berlins so ausmacht, und trotzdem ist das junge, superaktive und sexy Berlin nicht so weit entfernt, wenn man doch mal dorthin will.

8.       Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Fahrradfahrer, kaum vorhandene Parkplätze und Graffiti.

9.       Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Mehr Integration, mehr Durchmischung aller Menschen, die hier leben, und weniger Parallelgesellschaften.

10.       Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Cooler als Berlin sind nur noch Tel Aviv im Sommer und Hamburg im Juli und August. Zieht nach Hamburg, wenn etwas aus eurem Leben werden soll!