Berlin - Die Zahl der amtsbekannten Salafisten in Berlin wächst. Ende September zählte der Verfassungsschutz 670 Salafisten. Davon werden 350 als gewaltbereit eingeschätzt. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsverwaltung für Justiz auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor.

Bislang waren die Sicherheitsbehörden von 660, davon 340 gewaltbereiten, Salafisten ausgegangen. Mehr als 100 der radikalislamischen Fanatiker sind nach Syrien und dem Irak ausgereist, um dort gegen „Ungläubige“ zu kämpfen. Ein Großteil von ihnen unterstützt den Islamischen Staat (IS).

Etwa ein Dutzend von ihnen sind bereits bei Kämpfen umgekommen. Unter ihnen soll auch der 40-jährige Berliner Denis Cuspert sein. Mitte Oktober soll er bei einem Luftangriff in der Nähe der syrischen Stadt Rakka gestorben sein, wie US-Geheimdienste inzwischen bestätigen.

Die größte Gefahr geht nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden von den Syrien-Rückkehrern aus, von denen sich in Berlin etwa 30 aufhalten. Einige von ihnen sind desillusioniert und werden inzwischen als ungefährlich eingeschätzt. Die anderen haben sich jedoch noch weiter radikalisiert und werden von den Behörden als sogenannte Gefährder eingestuft und entsprechend überwacht. Wie viele es sind, darüber macht die Senatsinnenverwaltung keine Angaben. Erst am 6. November wurde der aus Berlin stammende IS-Kämpfer Ali A. bei seiner Einreise am Flughafen München festgenommen.

Leben wie der Prophet

Die Zahl dieser Fanatiker steigt seit Jahren. 2011 kannte der Verfassungsschutz nur 350 Salafisten. Ende 2014 waren es dann schon 570. Der Salafismus ist die am schnellsten wachsende radikale Strömung im Islam. Salafisten wollen eine Lebensweise durchsetzen, wie sie der Prophet Mohammed predigte, der im 7. Jahrhundert gelebt haben soll. Die Behörden kennen in Berlin zwei salafistische Hochburgen: die As-Sahaba/Die Gefährten e. V. in Wedding und die Al-Nur-Moschee in Neukölln. Deren Verein „Berliner Muslime“ versucht unter Flüchtlingen, Kämpfernachwuchs zu werben. Vor Asylheimen verteilen sie Spenden „nur für Muslime“.

Zuletzt durchsuchten Staatsanwaltschaft und Polizei im September die Ibrahim-Al-Khalil-Moschee in der Tempelhofer Colditzstraße. Dort sollen angeblich Kämpfer für dschihadistische Gruppen in Syrien angeworben worden sein.