Potsdam - Etwa 37.000 Menschen mit muslimischem Glauben leben in Brandenburg. 130 davon sind Islamisten. „Auch wenn die Gesamtzahl in Brandenburg auch im Bundesvergleich noch klein erscheint, dürfen wir die Szene nicht unterschätzen. Und die Szene wächst“, sagt Innenminister Karl-Heinz Schröter am Mittwoch in Potsdam bei einer Fachtagung zum Thema Gefahren des Islamismus in Brandenburg - Chancen der Integration.

Der SPD-Poliker warnt vor allem vor tschetschenischen Islamisten, den Anhängern des sogenannten Kaukasischen Emirats, die in Tschetschenien einen islamistischen Gottesstaat errichten wollen.

Rückkehrer von der Terrormiliz IS

Die Hälfte der in Brandenburg bekannten Islamisten sind Tschetschenen, die auch oftmals über Kampferfahrung aus den Tschetschenienkriegen verfügten, sagt Silke Wolf vom Verfassungsschutz. 2012 seien die ersten Tschetschenen nach Brandenburg gekommen, derzeit leben 7000 im Land.

Unter den Extremisten seien auch solche, die sich einst der Terrormiliz IS angeschlossen haben und nun als Rückkehrer an die tschetschenische Community in Brandenburg andocken wollten. Die andere Hälfte der Islamisten stamme aus Syrien, Nordafrika und Afghanistan.

Gefahr einer Parallelgesellschaft

Die Zahl der Gefährder liegt laut Silke Wolf im niedrigen zweistelligen Bereich. Eine Bedrohung gehe zudem von sogenannten Einzeltätern aus, die irgendwann losschlagen und im Vorfeld keinerlei Spuren hinterlassen würden. „Sie sind der Albptraum aller Sicherheitsbehörden“, sagt die Verfassungsschützerin.

Massiv sind derzeit aber andere Islamisten in Brandenburg unterwegs: die Sächsische Begegnungsstätte (SBS), hinter der sich die Muslimbruderschaft verbirgt. Die radikal-islamistische Organisation lehne zwar öffentliche Gewalt ab, sie wolle jedoch eine Parallelgesellschaft errichten, sagt Silke Wolf.

In Brandenburg/Havel gebe es bereits einen Stützpunkt der SBS, in Luckenwalde und Senftenberg sei man dabei, Anlaufpunkte zu schaffen. Auch Cottbus ist offenbar im Gespräch.

Die SBS hat sich vor zwei Jahren in Sachsen gebildet. „Sie hat ihre Hauptzentrum in der Kleinstadt Pirna“, sagt Christina Iskander vom sächsischen Verfassungsschutz. Dort gebe es immer wieder Veranstaltungen von der vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD).

Ziel: Flüchtlinge der Demokratie fernhalten

In sieben Städten Sachsens hat die SBS bereits Filialen eröffnet. „Und ihr Interesse, zu expandieren, ist groß“, erklärt Christina Iskander. So versuche die SBS derzeit nicht nur im Land Brandenburg, sondern auch in Baden-Württemberg Fuß zu fassen. „Sächsische Begegnungsstätte“ sei ein Superlabel.

„Stellen sie sich vor, sie kommen in ein völlig fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur sie nicht verstehen. Und dann ist da jemand, der ihnen angeblich helfen will“, erklärt Christina Iskander. Man brauche Hilfsangebote für Flüchtlinge. In diese Lücke hineinzustoßen, sei von der SBS ziemlich klug gewesen.

Die SBS macht sich nach eigener Darstellung zwei Dinge zum Ziel: die Kinderausbildung und die Erziehung zu muslimischem Verhalten. Das wahre Ziel erklärt Christina Iskander so: die Integration von Flüchtlingen verhindern, sie der Demokratie fernzuhalten und der Gesellschaft zu entfremden.

„Endlich den Hintern hochkriegen“

„Hier sind Extremisten am Werk“, sagt sie. Die SBS sei eine Unternehmergesellschaft, in den sozialen Netzwerken werde das Existenzrecht Israels negiert. Zudem habe in den Begegnungsstätten am vergangenen Tag der offenen Moschee eine Propagandabroschüre mit dem Titel „Missverständnisse über Menschenrechte im Islam“ ausgelegen. Darin werde das Steinigen bei Ehebruch, das Töten von Abtrünnigen und das Abschlagen der Hände bei Diebstahl als legitim bezeichnet.

Brandenburgs Verfassungsschutzchef Frank Nürnberger warnt indes vor Verallgemeinerungen. Nur ein wahrlich sehr geringer Teil der im Land lebenden Muslime seien Extremisten. Er appelliert daran, „endlich den Hintern hochzukriegen“, und ordentliche Konzepte für die Integration von Flüchtlingen zu erstellen. Brandenburg sei in der Beziehung noch zu schlecht aufgestellt. Integration müsse schon im Kindergarten beginnen.