In Berlin und Sachsen-Anhalt hat die Polizei am Donnerstagmorgen Razzien bei mutmaßlichen Islamisten durchgeführt. Durchsucht wurden nach Informationen der Berliner Zeitung unter anderem ein Hochhaus in der Lipschitzallee in Neukölln sowie ein Haus in Charlottenburg. Hintergrund waren laut Generalstaatsanwaltschaft Ausreisen in das Herrschaftsgebiet der Terrormiliz Islamischer Staat. 

Laut Martin Steltner, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, richten sich die Ermittlungen gegen vier Männer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Sie gehören zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Zwei davon stehen in Verdacht, bereits im November 2016 über Berlin und Istanbul ins Bürgerkriegsgebiet Irak/Syrien ausgereist zu sein", sagte Steltner. Einer der Männer werde verdächtigt, sich an Waffen und im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet zu haben. Der vierte Mann soll die anderen zum Flughafen gefahren haben, also Beihilfe zur Ausreise geleistet haben.

"Es wurden Beweismittel sichergestellt, darunter Datenträger, die ausgewertet werden müssen", sagte Steltner. Drei der vier Beschuldigten hielten sich vermutlich noch im Irak oder Syrien auf. Nähere Angaben wollte der Sprecher zunächst nicht machen.

Insgesamt wurden nach Informationen der Berliner Zeitung sieben Objekte in Berlin durchsucht. Eines davon, ein Wohnhaus, befindet sich in der Budapester Straße in Charlottenburg. Polizeibeamte nahmen hier die Wohnung von Abed el-R. unter die Lupe. Dort wurde auch eine verdächtige Tasche untersucht, wie die Polizei am Morgen mitteilte. Diese enthielt jedoch lediglich eine Weinflasche. 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in Potsdam, bei den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft gehe es um eine weitere Bekanntschaft im Umfeld des Attentäters Anis Amri. 

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND/Freitag) hatte mindestens einer der jetzt in den Fokus gerückten Islamisten am Tag des Anschlags Kontakt zu Anis Amri. Das gehe aus Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes hervor. Der Verdächtige sei damals nur Stunden vor dem Attentat mit dem Tunesier im Stadtteil Wedding spazieren gegangen.

Danach hätten sie gemeinsam mit einem weiteren Tunesier eine Moschee und einen Imbiss aufgesucht. Schließlich sei das Trio noch für eine Viertelstunde zum Alexanderplatz gegangen. Anderthalb Stunden nach dem Anschlag sei dann der Amri-Begleiter auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche gesehen worden, schreibt das RND. 

Insgesamt waren laut Generalstaatsanwaltschaft 130 Beamte an dem mehrstündigen Einsatz beteiligt. Auch Spezialeinheiten des Landeskriminalamtes seien im Einsatz gewesen. Neun Durchsuchungsbeschlüsse wurden demnach vollstreckt.

Bereits im Oktober gab es eine Razzia gegen Islamisten

Erst Ende Oktober hatte es vier Durchsuchungen in den Bezirken Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf gegeben. Dabei beschlagnahmte die Polizei Revolver, Waffenteile und große Mengen Munition. In einer Shisha-Bar in Kreuzberg nahmen die Beamten einen 40-jährigen Deutschen türkischer Herkunft fest. Er steht im Verdacht, dem islamistischen Umfeld anzugehören.

Es habe die Besorgnis bestanden, dass die Waffen für Anschläge genutzt werden könnten, erklärten Generalstaatsanwaltschaft und Polizei. (BLZ/dpa)