Eigentlich sollte am kommenden Donnerstag das nächste Islamforum stattfinden, das ist eine Art Islamkonferenz auf Landesebene, bei der sich muslimische Verbände regelmäßig mit hochrangigen Vertretern der Senatsverwaltungen austauschen. Doch der Termin ist jetzt überraschend geplatzt.

Die muslimischen Verbände haben ihre Teilnahme am Islamforum „bis auf weiteres“ abgesagt, bestätigte Lydia Nofal, die den Verein Inssan vertritt. Es zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen dem Land Berlin und den Muslimen derzeit ist. In Berlin leben rund 220 000 bis 300 000 Muslime.

Eskaliert ist die Lage wegen eines Streits über die Organisation der Seelsorge für muslimische Gefangene. Das Projekt war vor zwei Monaten überraschend vom Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) gestoppt worden. Die Sprecherin der Justizverwaltung, Lisa Jani, verweist auf Informationen des Verfassungsschutzes.

Bei einigen Beteiligten des Projekts habe es Sicherheitsbedenken gegeben. Genauer äußerte sie sich nicht. Dem Vernehmen nach werden etwa die Hälfte der 30 Seelsorgerkandidaten Propaganda-Delikte sowie salafistisches Gedankengut vorgeworfen. Bei den muslimischen Verbänden, die die ehrenamtlichen Seelsorger ausgewählt und ausgebildet hatten, stößt die Ablehnung auf Unverständnis: „Die Vorwürfe des Verfassungsschutzes sind absolut intransparent“, sagt Lydia Nofal.

Die Zahl der Muslime in den Gefängnissen steigt, deshalb entstand vor einigen Jahren die Idee, die Betreuung im Gefängnis zu verbessern. Anders als bei der evangelischen und der katholischen Kirche haben muslimische Insassen keinen festen Ansprechpartner.

Viele muslimische Seelsorger arbeiten ehrenamtlich, ihre Ausbildung ist nicht geregelt. Trotz des Konfliktes zwischen muslimischen Verbänden und Senatsverwaltung sei die Gefangenenseelsorge in der Praxis nicht gefährdet, versichert Justiz-Sprecherin Jani. Sie schätzt den Anteil Gefangener muslimischen Glaubens auf 15 bis 20 Prozent. Die Muslime mit deutschem Pass sind dabei allerdings nicht mitgerechnet.

Brisant dabei ist, dass einige der Seelsorger, die auf der Liste des Verfassungsschutzes auftauchen, bereits im Gefängnis aktiv sind. Die Integrationsbeauftragte des Landes, Monika Lüke, kann die Enttäuschung der Muslime verstehen. Sie will sich bei der Senatsverwaltung für Justiz dafür einsetzen, dass die Kooperation doch noch zustanden kommt. „Der Bedarf an muslimischen Seelsorgern ist nicht gedeckt“, sagt sie.

Die muslimischen Verbände wollen sich am Donnerstag erst mal untereinander über das weitere Vorgehen verständigen.