Berlin - Es gibt ein Youtube-Filmchen, auf dem der Berliner Fernsehturm als Rakete in den Weltraum abhebt. Eine beeindruckende Animation. Aber so etwas ist nicht gemeint, wenn es um Berlin und die Raumfahrt geht. Mancher mag es kaum glauben angesichts eines ewig nicht fertig werdenden Flughafens: Aber die deutsche Hauptstadt ist tatsächlich ein bedeutender Standort der Weltraumforschung. Hier werden Satelliten gebaut, hier entstehen Kameras, Sensoren, die in internationalen Missionen zum Einsatz kommen, etwa auf der Raumstation ISS oder bei der Kometenmission der Raumsonde „Rosetta“.

Entwicklungen für Esa-Sonde

Für deren Landegerät „Philae“ entwickelten Forscher des DLR-Instituts für Planetenforschung in Berlin-Adlershof die Kamera Rolis, die die ersten Bilder von der spektakulären Landung im November 2014 machte. Das Institut war auch beteiligt an weiteren Entwicklungen: zum Beispiel einer Temperatursonde für den Kometeneinsatz, einer Stereokamera für die Esa-Sonde „Mars Express“, die seit 2003 um den Roten Planeten fliegt, oder einer Landesonde namens „Mascot“ für die japanische Asteroiden-Mission „Hayabusa-2“, die 2014 startete.

Rund um die Weltraumtechnik ist in Berlin ein ganzer, gut vernetzter Forschungsbereich entstanden. Dazu gehören neben dem DLR-Institut auch Ingenieure, die sich in der Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof selbstständig machten und unter anderem einen Staubsensor für die Saturn-Mission „Cassini-Huygens“ mitbauten. Dazu gehören weitere Ingenieur- und Konstruktionsbüros und nicht zuletzt die TU Berlin mit ihrem Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik.

Ziel ist es, Satelliten-Netzwerke zu schaffen

An der TU entstehen unter anderem Satelliten, die von einem kleinen Missionskontrollzentrum nicht weit vom Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg kontrolliert werden. Erst 2014 gründete die Universität ein neues Forschungszentrum für Nanosatelliten. Seit etwa vier Jahrzehnten entwickelt die TU Satelliten, unter anderem die „Tubsat“-Flotte, eingesetzt für die Erdbeobachtung und der Kommunikation.

Immer kleinere Satelliten sollen aus Berlin kommen. Ein Ziel ist dabei, die Nutzlast für Raketen immer mehr zu verringern. Die von der TU entwickelten „BeeSat“-Modelle sind Würfel mit nur 10 Zentimetern Kantenlänge. Ein weiteres Ziel ist es, Satelliten-Netzwerke zu schaffen: für die Klima-, Wetter- und Umweltbeobachtung, zur Überwachung der Seewege, zur Katastrophenhilfe oder zur Frühwarnung, zum Beispiel bei sich nähernden Asteroiden. Dafür entwickelt die TU vier „S-Net“-Satelliten, die in Formation fliegen und miteinander kommunizieren können.