Bordkarten scannen, den Koffer aufs Förderband stellen, Anhänger ausdrucken, am Koffer befestigen – und schon verschwindet das Gepäck in Richtung Flugzeug. Viele Flughäfen haben Automaten für die Gepäckaufgabe, bald wird es sie auch in Berlin geben. Das hat Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup angekündigt.

„Wir fangen jetzt damit an, für Easyjet-Passagiere in Tegel automatisches Drop-off einzubauen, für Schönefeld ist dies ebenfalls vorgesehen“, sagte er der Berliner Zeitung. „Auch am BER wird es Anlagen geben, an denen Passagiere ihr Aufgabegepäck automatisch einchecken können.“ Sie sind einer von vielen Faktoren, die sich auf die Kapazität auswirken – das wichtigste Thema, wenn über die Zukunft des Berliner Luftverkehrs gestritten wird.

Aktuelle Zahlen zur Kapazität

Der BER ist zu klein, Tegel muss bleiben: So argumentieren die FDP und andere Kritiker. Die Vorhersagen zum Verkehrsanstieg sind zu niedrig gegriffen, der BER wird überquellen: Auch diese Kritik wird immer wieder laut. Jetzt hat die Flughafengesellschaft FBB aktuelle Zahlen zur Kapazität zusammengestellt.

Beispiel Check-In-Schalter: In Tegel gibt es 135 Tresen, an denen Fluggäste Bordkarten erhalten und Koffer einchecken können. Im zentralen Fluggastterminal des BER, intern als T1 bekannt, wird es zur Eröffnung im Herbst 2020 118 Check-In-Schalter geben, sagte Lütke-Daldrup. Weitere 16 Schalter stehen im Terminal T2, das bis zur BER-Eröffnung fertig werden soll, zur Verfügung. Der Flughafen Schönefeld, der bis Ende 2025 in Betrieb bleiben soll und in den Plänen T5 heißt, verfügt über 47 Tresen.

Gepäck am Automaten einchecken

Macht insgesamt 181 Schalter – es ist also kein Zuwachs geplant, obwohl erwartet wird, dass die Zahl der Fluggäste steigt. „Wir gehen davon aus, dass am BER weniger Check-In-Schalter benötigt werden, als früher angenommen wurde“, erklärte Lütke Daldrup. Zwei Drittel der Passagiere nutzen Billigflieger, die meisten Low-Cost-Kunden haben nur Handgepäck und brauchen keinen Check-In-Schalter.

Wer Gepäck aufgeben möchte, wird dafür in immer mehr Fällen Automaten nutzen. In Hamburg und München gibt es sie bereits, mit kürzeren Warteschlangen als vor Schaltern mit Personal. Im Ausland sind sie gang und gäbe.

Beispiel Vorfeldpositionen – ein weiteres wichtiges Thema, wenn es um die Kapazität geht. In Tegel gibt es knapp 50 Stellplätze für Flugzeuge. „Am Flughafenstandort BER stehen heute 84 Standplätze im Midfield und 26 Standplätze in BER Nord (Schönefeld) zur Verfügung“, rechnet die Flughafengesellschaft vor. Wenn der neue Flughafen ans Netz geht, werde es 107 Standplätze am BER und 31 in BER Nord geben.

Wie entwickelt sich die Fluggastzahl?

Doch das Hauptthema ist: Wie entwickelt sich die Fluggastzahl? Und wird am BER genug Platz für alle sein? „Es ist richtig, dass die Zahl der Passagiere in Berlin während der vergangenen zwei Jahrzehnte ungefähr doppelt so stark wuchs als im deutschen Durchschnitt – im Schnitt um die sechs Prozent pro Jahr“, sagte der Flughafenchef. Berlin hatte Nachholbedarf.

In Mauerzeiten war der Verkehr gering, nun erlebt die Stadt seit Jahren einen Tourismusboom, auch bei den Billigfliegern gebe es eine „sehr dynamische Entwicklung“, hieß es. Kritiker der offiziellen Politik, aber auch Experten wie im Deutschen Zentrum- für Luft- und Raumfahrt erwarten allerdings auch künftig hohe Zuwachsraten.

Doch Lütke Daldrup bezweifelt das: „Es ist unrealistisch, davon auszugehen, dass die Entwicklung in Berlin bis 2040 unvermindert weitergehen wird. Darum gehen die externen Berater und wir davon aus, dass der Verkehr zunächst im Schnitt um drei, dann um rund zwei Prozent pro Jahr zunehmen wird“, sagte er.

Platz für unerwartete Zuwächse

Der neue Airport und der benachbarte Flughafen Schönefeld seien nicht nur groß genug – sie haben auch Platz für unerwartete Zuwächse. „Der BER wird 2020 mit T1 und T2 eine mehr als ausreichende Kapazität haben, um den gesamten Luftverkehr von Tegel aufnehmen. Darüber hinaus können wir eine Reserve von etwa 20 Prozent vorhalten“, sagte der Flughafenchef.

Für das erste Jahr erwartet die FBB 36,5 Millionen Fluggäste – bei einer Kapazität von 41 Millionen. Ab 2021/22 kann das Terminal T1 weitere fünf Millionen aufnehmen, weil sich Routine einstellt und die Zahl der Gepäckförderbänder von acht auf zehn erhöht wird. Weil 2022 in Schönefeld der Bau des Regierungsterminals startet, sinkt die gesamte Jahreskapazität auf 43 Millionen.

Aber auch das sei mehr als ausreichend, so Lütke Daldrup. Das geplante Terminal T3 werde weiteren Platz schaffen. 2025 könne der BER 43 bis 45 Millionen Fluggäste verkraften, durch den Ausbau von T3 kommen bis 2030 sechs bis acht Millionen hinzu. Dann werden 45,5 Millionen Passagiere erwartet.