Vermutlich rückt die Welt nirgendwo enger zusammen als auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB). Mehr als 180 Länder buhlen an ihren Ständen mit Hochglanzprospekten um Aufmerksamkeit. Doch jetzt haben sich in die bunte Welt Fehlfarben eingemischt. Es geht um Politik. Um Palästina-Schals und Zwischenrufe, mit denen drei arabischstämmige Wachschützer vor dem israelischen Stand provoziert haben. Das bringt wieder einmal die Berliner Sicherheitsbranche in die Kritik.

„Es darf nicht sein, dass auf einer so wichtigen Messe, die für Kulturaustausch und Weltoffenheit steht, israelische Vertreter ausgerechnet vom Sicherheitspersonal bedrängt werden“, sagt Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee (AJC). „Dieser Vorfall zeigt zum wiederholten Male auf, dass wir ein tiefgreifendes Problem im Wachschutzbereich in Berlin haben.“
Auch Flüchtlinge berichten in einer aktuellen AJC-Studie, dass sie insbesondere von Sicherheitspersonal diskriminiert werden. „Hier braucht es mehr staatliche Kontrolle und strengere Kriterien bei der Einstellung von Personal. Wer im kriminellen Milieu aktiv ist oder sich in einschlägigen politischen oder religiösen Kreisen bewegt, darf nicht für den Schutz von Bürgern verantwortlich sein“, sagt Berger.

Das zuständige Sicherheitsunternehmen hat Schritte eingeleitet

In den vergangenen Jahren wurden, auch wegen der Flüchtlingskrise, immer mehr Sicherheitsfirmen, gegründet. Die Behörden beobachten, dass auch Mitglieder arabischer Clans die Firmen unterwandern oder sogar besitzen.

Der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber fordert deshalb, dass die Sicherheitsfirmen in einem Landesregister erfasst werden und dass jeder Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis vorlegt. „Der Vorfall auf der Messe ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gezielte Provokation, die noch mal eine andere Bedeutung bekommt, wenn sie an einem ITB-Messestand stattfindet.“ Grünen-Politiker Volker Beck äußerte sich auf Twitter ähnlich: „Dafür gehören sie von der Sicherheitsfirma gefeuert und für die Zukunft gesperrt.“

Das zuständige Sicherheitsunternehmen, die Firma Teamflex Solutions, beteuert, diese Schritte eingeleitet zu haben. „Wir haben ein Beschäftigungsverbot für die betreffenden Mitarbeiter ausgesprochen“, sagt Geschäftsführer Marc Böttger zur Berliner Zeitung. Allerdings seien die drei Männer bei einem Partnerunternehmen von Teamflex angestellt, so dass er nicht über ihre Kündigung oder weitere Konsequenzen entscheiden könne. Auch zum Einstellungsverfahren für Mitarbeiter könne er aufgrund von „internen Prozessen mit Sicherheitsrelevanz“ keine Antwort geben.
Die Messe Berlin versichert jedoch, mit allen Dienstleistern vertraglich vereinbart zu haben, dass von Wachschützern Führungszeugnisse zu verlangen sind. „Wir arbeiten schon lange und gut mit der Firma zusammen“, sagt Sprecher Emanuel Höger. Die Männer seien in den vergangenen Tagen im Außenbereich eingesetzt worden, um die Fahrstraßen freizuhalten. „Möglicherweise hatten sie gerade Feierabend, als sie sich zum israelischen Stand aufmachen“, mutmaßt er.

"Wir wollen uns nicht abschotten"

Dort hielten sie ihre palästinensischen Schals in die Höhe und schrien „Free Palestine“, also „Freiheit für Palästina“. Nach einem kurzen Wortgefecht riefen Standmitarbeiter die Polizei. Die Beamten führten die Männer ab und erteilten ihnen Hausverbot. Nach Angaben eines Polizeisprechers wird gegen die Wachleute jedoch nicht ermittelt. „Das Schwenken von Schals und die Rufe stellen keine Straftat dar“, sagt er. Offenbar sind die drei Männer in Deutschland geboren und haben deutsche Pässe, aber nach Angaben des Messesprechers „einen arabischen Hintergrund“.

Am israelischen Stand in der Ecke von Halle 4.2 hat sich der Trubel inzwischen gelegt – genau wie auf der ganzen Messe. Denn am Freitag gehen die Fachbesuchertage zu Ende. Hotelier, Touragenten und Vermarkter räumen das Feld für interessierte Privatleute, die die Hallen am Wochenende erobern werden. 

Drei Frauen aus Tel Aviv stehen am Freitagmittag noch hinter einem Pult an dem Eckstand. Auf den Vorfall angesprochen, zuckt eine von ihnen mit den Achseln. „Wir sind ja traurigerweise an solche Vorfälle gewöhnt“, sagt sie. Mehr Sicherheitsleute habe man nicht angefordert. Von denen sind augenscheinlich mehr unterwegs als im vergangenen Jahr. „Wir wollen uns nicht abschotten.“
Es geht freundschaftlich zu auf der Ausstellerfläche. Man trinkt Tee zusammen. Der Stand Palästinas liegt nur 20 Meter entfernt. (mit kop)