Berlin - Die Menschen behaupten oft von mir, ich könne keiner Fliege was zuleide tun. Nun habe ich gelernt: Es stimmt nicht. Gerade hatte ich Urlaub, eine Pause vom Redaktionsalltag, die ich nicht mit Reisen verbrachte, sondern auf der Couch, hauptsächlich in liegender Position. Ohne Auftrag, ohne Ziel. Doch dann sind sie plötzlich da: Fruchtfliegen. Am Anfang schenke ich ihnen kaum Beachtung, auch nicht mein Partner. Doch dann, als sich unser Blick schärft, sehen wir sie sitzen: an der Decke, mal allein, mal in Gruppen.

Nun ist mein Vater im Forst tätig, sitzt auch auf dem Hochsitz – den Jagdinstinkt hat er an mich vererbt. Und: Ich bin Besitzer einer Elektro-Fliegenklatsche, das Schießgewehr des kleinen Mannes. Das Gerät sieht aus wie ein Tennisschläger, mit Metallstreben dort, wo sonst das Netz ist, und wird mit Batterien betrieben. Am Griff ein Knopf. Er wird gedrückt, die Fliege anvisiert, gezielt, dann gibt es einen Knall – und das Insekt sinkt darnieder. Bevor jetzt Peta kommt: Mir tut es leid um jede einzelne Fliege. 

Fruchtfliegen: Die Jagdsaison ist eröffnet

Die Jagdsaison ist dennoch eröffnet. Es knallt und zischt, weil Grüppchen an der Decke sitzen. Drei, vier, fünf auf einen Streich. Ich schwinge den Schläger wie Boris Becker in seinen besten Jahren. Spiel, Satz, Sieg. Am Ende, als keine Gegner mehr in Sicht sind, krieche ich über das Laminat und sammle die leblosen Körper ein, während ich im Kopf „’s ist Feierabend“ summe. Es bleibt die beinahe wissenschaftliche Erkenntnis: Dicke Fliegen knallen leiser. Je kleiner das Insekt, desto bumm.

Doch dann, ich komme von einem Spaziergang, haben es sich neue Fliegen bequem gemacht. Ich jage, bekämpfe alle, entsorge sie, Stunden später sitzen neue da. Ich suche nach Tipps gegen Fruchtfliegen und probiere Omas Klassiker: ein Tellerchen, eine Mischung aus Essig, Wasser, Saft und Spüli. Der Teller steht, die Fliegen scheinen darüber zu lachen. Am Ende ersäuft eine in der Mische, die anderen, die nur auf dem Rand landen, scheinen die Gefahr zu spüren.

Fruchtfliegen: Auch die letzte erwischt irgendwann der Schläger

Es bleibt die einzige Lösung, der Plage auf den Grund zu gehen. Also wird jeder Schrank aus- und wieder eingeräumt. Mit Rohrreiniger puste ich die Abflüsse durch, dort nisten die Plagegeister gern, lese ich. Die Fliegen bleiben. Im letzten Schrank entdecke ich den Übeltäter: Eine Einkaufstüte mit vier Kartoffeln, irgendwann abgelegt, um sie aus dem Weg zu haben. Ich atme durch. Entsorge sie. Und jage die letzten Fliegen mit dem Tennisschläger.

Seitdem ist Ruhe, zum Glück. Nun ja, fast. Eine Fliege gibt es noch, wir sehen sie manchmal, wenn wir vor dem Fernseher sitzen, galant durch unser Blickfeld schweben, als würde sie sich über uns lustig machen. Aber auch sie werden wir kriegen, mit dem Schläger, wenn sie am wenigsten damit rechnet. Vielleicht wird es dauern. Aber eine Sache haben wir mehr als Fliegen: Batterien.