Jagdgesetz: Die Jäger und der Wolf

Berlin - Der Eisbär – immerhin das gefährlichste Raubtier der Welt – gilt hierzulande als liebes Tierchen. Der scheue Wolf – den kaum jemand je zu Gesicht bekommt – ist aber für viele der Inbegriff des Bösen. Das liegt vor allem daran, dass Eisbären weit entfernt leben, die Wölfe aber scheinbar immer näher kommen. Mitte der 90er-Jahre wanderten die ersten Wölfe von Polen nach Deutschland ein, inzwischen gibt es bundesweit mehr als 100 dieser Raubtiere, etwa 50 leben in Sachsen und mehr als 30 in Brandenburg. Und es werden immer mehr, da die Tiere strengstens geschützt sind und es eine Straftat ist, sie zu jagen.

Nun ist eine Debatte entbrannt, wie mit dem Wolf künftig umgegangen werden soll. In Sachsen beschloss die Regierung einen bundesweiten Alleingang: Der Wolf wird ins Jagdgesetz aufgenommen. „Aber es soll eine ganzjährige Schonzeit gelten“, sagt Falk Hofer, Sprecher des Dresdener Umweltministeriums. „Der Wolf darf also auch weiterhin nicht gejagt werden.“

Lobbyarbeit für Jäger

Dieser Forderung schließt sich Brandenburgs CDU an. „Auch andere streng geschützte Tiere wie Wisente, Fischotter oder Kolkraben stehen im Jagdgesetz und dürfen nicht gejagt werden“, sagt Generalsekretär Dieter Dombrowski. Tierschützer kritisieren, dass der Vorstoß eine Lobbyarbeit für Jäger sei. Hubert Weiger, Präsident des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) fürchtet, dass die Hürden für eine Abschusserlaubnis künftig niedriger liegen, wenn der Wolf im Jagdgesetz steht. Dies könne zu einem „Dammbruch“ beim Abschuss anderer geschützter Tiere führen. In Sachsen kündigen die Gegner nun Verfassungsklage an.

Die Befürworter behaupten hingegen, dass der Wolf nur mit dem Jagdrecht besser geschützt werden kann. Derzeit erfolge der Schutz nach dem Naturschutzgesetz, und nur wenige Freiwillige würden bei der Hege, bei der Zählung der Tiere sowie bei der Überwachung der Bestände helfen. „Wenn der Wolf aber ins Jagdgesetz kommt, dann sind Jäger verpflichtet, sich auch um seine Hege und seinen Schutz zu kümmern“, sagt Dombrowski. Zudem müsste auch die Entschädigung von Bauern, deren Schafe von Wölfen gerissen werden, klar und fair geregelt werden. Er sieht noch ein weiteres Problem: Da der Wolf laut Naturschutzgesetz nicht geschossen werden darf, könnten Jäger einen schwer verletzten Wolf im Wald erst einen Gnadenschuss geben, wenn der Amtsveterinär dies erlaube. „Auch Wölfe, die angefahren werden, können von Polizisten nicht von ihrem Leid erlöst werden.“