Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

BerlinIn die erneute Debatte um die Zukunft des Jahn-Stadions mischen sich nun Berlins Architektenverbände ein. In einer gemeinsamen Erklärung an den Senat fordern sie: „Die Abrissplanungen zum Stadion sind sofort zu stoppen.“

Ihre „starken Bedenken“ zum 14 Millionen Euro teuren Abriss schickten der Bund der Architekten (BDA) und der Bund der Landschaftsarchitekten (BDLA) an die Senatsverwaltungen für Sport, Bau und Umwelt, sowie an das Bezirksamt Pankow. Mit dem Schreiben wehren sich die Fachverbände generell gegen den 160-Millionen Euro-Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparkes, den die Senatssportverwaltung bis 2023 plant.

Das gesamte Areal „ist eine historisch einmalige Anlage von Stadion, denkmalgeschützter Hinterland-Mauer und Tribüne für Karaoke-Events im Mauerpark“, sagt BDLA-Landeschef Eike Richter. „Dies alles muss behutsam saniert und nicht brachial umgestaltet werden!“ Der Sportpark sei eine Sport- und Freizeitlandschaft, wie es sie in Deutschland kaum ein zweites Mal gebe, erklärt Richter weiter.

Die Architektenverbände kritisieren, dass der Stadion-Abriss vom Senat nicht stichhaltig begründet wurde. In der Tat stützt sich die Sportverwaltung bisher auf eine Machbarkeitsstudie von 2014, die die bau-und brandschutztechnischen Mängel der Arena aufzählt und daher einen Neubau favorisiert. Erst jetzt will die Behörde von Senator Andreas Geisel (SPD) bis Ende Juli ein Gesamtkonzept für den Umbau vorlegen, das auch eine Überarbeitung der alten Machbarkeitsstudie vorsieht. Die Verwaltung machte aber bereits deutlich, dass man weiter an dem Stadion-Abriss festhält. Beginnen soll er noch in diesem Winter.

Dieser Umgang mit dem „identitätsstiftenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion“ sei nicht angemessen, heißt es in der Erklärung der Architekten an den Senat. „Berlin hat Besseres verdient“, sagt Julia Dahlhaus, Landeschefin des Bundes der Architekten. „Der Senat ist gut beraten, eine ernsthafte, vorgezogene Bürgerbeteiligung unter Einbeziehung der Stadion-Thematik durchzuführen und in einem ergebnisoffenen Wettbewerbsverfahren Konzepte für diesen einmaligen Ort entwerfen zu lassen.“ Beide Berufsverbände fordern daher vom Senat, „die Möglichkeiten eines Umbaus des Stadions vertieft planerisch zu prüfen“.

Die Pankower Anwohner-Initiative „Bürger Jahnsportpark“ will mit einer Petition ans Abgeordnetenhaus ebenfalls eine Sanierung der Arena erreichen. Prominenter Unterstützer ist Autor Wladimir Kaminer („Russendisko“). „Einst direkt an der Grenze der geteilten Stadt gebaut, hat das alte Jahn-Stadion bis heute seinen Ost-Charme über Jahrzehnte erhalten“, schrieb er auf Facebook. Wozu die Eile mit dem Abriss, fragt Kaminer. Ein neues Stadion sollte man erst dann bauen, „wenn man es denn wirklich braucht“.