Eine der abstrusen Studien aus dem Jahr 2019 besagt, dass ein fünfjähriges Kleinkind täglich einen halben Liter Spucke produziert.
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BerlinHui – ein Jahr ist vorbei, ein neues hat begonnen. Als ich zu Silvester draußen stand und die Raketen am Himmel sah, dachte ich: Mensch, hier hast du doch vor zehn Minuten erst gestanden und das Jahr 2019 begrüßt. Nichts ist seitdem passiert!

„Mann, hör uff“, mischt sich mein innerer Berliner ein, „bis Ostern hatteste nich dran jegloobt, jemals Opa zu werden – und jetz biste eena. Von wejen, nüscht is passiert! Blödsinn. Und in Vietnam warste ooch. Schon vajessen? Kannste stolz druff sein und dir zur Strafe anderthalb Tonnen Zeh-oh-zwei uffhucken. Von wejen Langstreckenfluch!“ Ach ja, die Debatte ums Fliegen und Gretas Segelei – das war ja auch im vergangenen Jahr!

Ereignisdichte bestimmt Zeitempfinden

Es gibt einige psychologische Theorien darüber, warum einem die Zeit mal lang und mal kurz erscheint. Etwa die des Zeitparadoxons: Zeiten, in denen viel passiert, vergehen zunächst schnell. Im Rückblick jedoch erscheinen sie lang, viel länger als Zeiten der Routine. Diese wirken zunächst ewig lang, schrumpfen aber im Rückblick zum Nichts zusammen. Wegen der geringen Ereignisdichte.

„Schön und jut“, sagt mein innerer Berliner. „Wenn de schon über hochtrabende Theorien quasselst: Du hast da noch wat vajessen.“ – „Was denn?“, frage ich. – „Na dit, wat bisher unterjegangen is. Die blödesten Erkenntnisse des letzten Jahres.“

Ig-Nobelpreis für skurrile Forschung

Ach, Gottchen, er meint die abstrusesten Studien, die 2019 veröffentlicht wurden. Es handelt sich um ganz normale Forschungsarbeiten, die aber skurrile Fragen behandeln. Zum Beispiel: Warum scheiden Wombats würfelförmigen Kot aus? Schützt Pizza-Essen vor Krebs? Wieviel Speichel produziert ein fünfjähriges Kind? Für solche Forschungen gibt es sogar einen Preis. Er nennt sich Ig-Nobelpreis und wird jährlich bei einer Klamauk-Veranstaltung an der Harvard University verliehen.

Um es gleich zu sagen: Ein fünfjähriges Kind produziert täglich einen halben Liter Spucke. Wenn man das auf eine große Kita-Gruppe hochrechnet, wird ein ganzer Eimer voll. Und ja: Pizza schützt vor Krebs und Herzinfarkt, aber nur, wenn sie in Italien produziert und gegessen wird. Dies stellte – natürlich! – ein italienischer Forscher fest. Andere fanden bei Messungen an Briefträgern heraus, dass bei Männern der linke Hoden meist wärmer ist als der rechte.

Forscher sollten nicht unterschätzt werden

„Ja, und wozu braucht man so wat?“, fragt mein innerer Berliner. Ich weiß es nicht. Das mit der Pizza und den Hoden hat vielleicht einen medizinischen Sinn. Aber das mit der Spucke? Allerdings schien auch vieles, was Forscher früher so trieben, zunächst keinen Sinn gehabt zu haben. Am Ende kamen dann der Blitzableiter, das Luftschiff, das Radio und das Telefon raus. Oder die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers.

Man sollte sich also nie über Forscher lustig machen. Wie leicht zum Beispiel könnte man sich über die russischen Forscher amüsieren, die gerade VR-Brillen für Kühe gebastelt haben, damit diese mitten im Winter denken, sie grasten auf der grünen Weide – und mehr Milch geben. Wir lachen, doch nachher überschwemmt russische Milch den Markt. Und dann gucken wir dumm. Vor allem unsere Bauern.

Man stelle sich auch mal jenen Typen vor, der vor langer, langer Zeit im Wald Baumstämme rollte und dann immer so komisch rumstand und grübelte. „Wat machst’n da?“ fragten seine Kumpels. Er sagte: „Ach lasst mal, ick erfinde hier nur dit Rad.“ – „Wat machste?“ – „Ach, davon vasteht ihr sowieso nüscht!“ Wer in solch einem Moment lacht, wird später nicht im Auto mitgenommen.