Drinnen läuft seit Stunden der Jamaika-Poker - und draußen bangen sie. Seit dem Morgen harren Braunkohle-Beschäftigte aus der Lausitz am Sonntag vor der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin aus, wo die Unterhändler von Union, FDP und Grünen abschließend die Chancen für eine Jamaika-Koalition ausloten. Mit einer „Mahnwache“ protestieren sie gegen einen Ausstieg aus der Kohle.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sie am Vormittag mit Trillerpfeifen begrüßt. Sie wechseln sich ab, am Abend stehen noch rund 25 Leute, meist Gewerkschafter, vor der Landesvertretung. Das Wetter ist ungemütlich, es ist windig und es regnet. Ab und an setzen sie an und rufen „Rettet die Kohle“ und singen das Steiger-Lied. Auf einem Transparent steht: „Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren.“

Maik Rolle ist Betriebsratschef des Kraftwerks Jänschwalde in Brandenburg. Wenn die Kraftwerke dicht gemacht würden - dann „brennt die Lausitz, und in Deutschland bleibt es dunkel“, sagt er. Rund 8000 Beschäftigte arbeiteten im Lausitzer Braunkohle-Revier. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) habe ihnen einen Besuch abgestattet und ihnen versichert, sich für ihre Belange einzusetzen. In Nordrhein-Westfalen liegt das andere große Braunkohle-Revier in Deutschland.

Viel Hoffnung aber haben sie nicht, sie rechnen damit, dass die Jamaika-Unterhändler am Ende einen baldigen Ausstieg aus der Kohle beschließen. Die Braunkohle sei halt Teil eines großen Machtgeschachers, sagt Elvira Strelau aus dem Braunkohle-Kraftwerk Boxberg in der Lausitz. „Man kommt sich vor wie auf einem Basar.“ (dpa)