Potsdam - Der Platz hinter der Dorfkirche im brandenburgischen Fahrland wirkt wie verwandelt. Laster parken dort, aus denen Männer schwere Technik hinauswuchten. Straßensperren sind aufgebaut, vor denen Wachleute patrouillieren. Neugierige Blicke der Ortseinwohner sind unerwünscht. Dabei verraten die für alle sichtbaren riesigen Scheinwerfer schon, was hier passiert: Der 56-jährige „Tatort“-Star Jan Josef Liefers  dreht in Fahrland seinen Honecker-Film.

Sogar die Weltpresse ist schon da – so scheint es. Ein alter weißer Mercedes-Transporter mit dem Logo des US-Nachrichtensenders CNN steht mitten im Filmset. Davor sind Männer und Frauen, die auf Kommando immer wieder hin- und hergehen. Genau dann, wenn eine Stimme von irgendwo her auf dem Platz zu hören ist, die laut „Action“ ruft. Etwa eine Viertelstunde geht das Spielchen so.

Schnell wird den Beobachtern klar: Das Ganze ist ein Teil einer Szene aus dem Honecker-Film, den Liefers produziert und bei dem er erstmals Regie führt. Er ist es auch, der ständig „Action“ ruft. Doch den Star bekommen die Fahrländer kaum zu Gesicht, die ab und zu an den Absperrungen neugierige Blicke auf den weit dahinter liegenden Drehort werfen. Nur weiß-blaue Rauchschwaden sehen sie, die wohl einen Winternebel darstellen sollen. Denn laut Drehbuch hat sich Liefers Filmcrew in den Januar 1990 zurück katapultiert. Die Fahrländer Kirche und das Pfarrhaus werden später im Film als die von Lobetal zu sehen sein.

In den Ort bei Bernau kam der schwer kranke Erich Honecker nach seinem Sturz als DDR-Machthaber. Am 30. Januar 1990 erhielt er dort mit seiner Frau Margot ein Kirchenasyl bei Pfarrer Uwe Holmer. Die Szene, die Liefers nun für den Film „Honecker/Holmer“ dreht, stellt dar, wie damals Journalisten tagelang vor dem Lobetaler Pfarrhaus standen, um über die Notunterkunft des einst mächtigen Ehepaars der DDR zu berichten.

Die Darsteller der Honeckers fehlen noch

Die Film-Honeckers, die von Edgar Selge und Barbara Schnitzler dargestellt werden, sieht man an jenem Februar-Vormittag in Fahrland nicht. Dafür taucht ein anderer Star auf, der dafür sorgt, dass plötzlich Einwohner des Ortes zu einer Absperrung eilen und ihre Smartphones zücken. Sogar ein Taxifahrer hält, springt mit einer mit einem Teleobjektiv versehenen Kamera aus dem Wagen, was die Wachleute kurzzeitig aus der Ruhe bringt.

Nein, keiner will die Dreharbeiten fotografieren. Es gilt den ersten Storch des Jahres abzulichten, der an diesem Februar-Vormittag in Fahrland gelandet ist. Der für die Saison viel zu früh eintreffende Meister Adebar besetzt mitten im Honecker-Dreh sein altes Nest auf dem Nachbarschornstein der Dorfkirche und lenkt für einen Moment das Interesse im Ort von Liefers Filmshow ab.

Foto: Sabine Gudath
Abgesperrt ist in Fahrland der Weg zum Drehort, wo Rauch aufsteigt und später ein Storch landet.

Während in Fahrland die Dreharbeiten laufen, ist Thomas Justin aus dem Nachbarort Marquardt froh, dass der ganze Rummel für ihn bereits vorbei ist. In seinem kleinen Getränkemarkt hatte Liefers am Vortag die ersten Szenen für den Honecker-Film mit Anna Loos und Kurt Krömer gedreht.

Aus seinem Laden wurde für einige Stunden ein DDR-Konsum. Nach dem Dreh machte Justin erst einmal sein Geschäft für einen Tag dicht. „Nach der ganzen Aufregung muss ich hier erst einmal alles ordnen“, sagt er. Die Filmleute hätten den ganzen Laden umgebaut. „Jetzt heißt es für mich Kisten schleppen und meine Ware wieder einräumen. Die Kunden meckern schon, weil ich kaum noch Bier habe“, sagt er. Also müsse Justin auch noch neue Ware besorgen, habe überhaupt keine Zeit und sei daher auch für niemanden zu sprechen. Er wolle seine Ruhe haben, macht der Händler sehr deutlich klar. „Kein Mensch hat sich bisher wirklich für meinen Laden interessiert“, sagt Justin. „Und nun spielen alle verrückt und wollen wissen, wie die Dreharbeiten waren.“