Beim letzten Karnevalsumzug in Berlin konnte man schon ahnen, dass das nicht mehr lange gutgehen würde. Konfetti durften keine fliegen, weil die Organisatoren das Geld für die Straßenreinigung nicht hatten. Der Bezirk machte Auflagen. Die Musik etwa durfte 75 Dezibel nicht überschreiten, eine Lautstärke, die nach einer Schalltabelle dem Geräusch eines Staubsaugers in einem Meter Entfernung entspricht. Wie soll da Schunkellaune aufkommen? Die Christopher-Street-Day-Parade dagegen darf laut wie ein Düsenjäger durch Berlin fegen.

Das muss man wohl als Wink hinsichtlich der Wertschätzung der jeweiligen Veranstaltung durch die Stadtoberen verstehen. Was den Karneval angeht, hat die Skepsis hierzulande Tradition. Schon der preußische König Friedrich Wilhelm III. hielt ihn für eine bedenkliche Volkslustbarkeit.

Es gab noch mehr Widrigkeiten. Das Fernsehen verzichtete erstmals auf eine Übertragung des Zugs. Doch das traurigste Bild gab Edmund Braun ab, der aus Aachen stammende Präsident des Berliner Karneval-Festkomitees. Er konnte nicht mitfeiern. Stattdessen bewachte er ein Blumenbeet auf dem Tauentzien. Nach dem Umzug komme jemand vom Grünflächenamt, um zu kontrollieren, dass keine der frisch gepflanzten Eiben Schaden genommen habe, erklärte er.

Es wundert einen nicht, dass die Sponsoren angesichts solcher Umstände das Weite suchten. Lottomittel gab es trotz mehrfacher Anträge ohnehin nie. Der Karneval hat keine Lobby in Berlin. Und nun machte Edmund Braun öffentlich, dass nach zwölf Jahren Schluss ist. Im kommenden Jahr wird kein „Heijo Berlin“ (angeblich eine Kreation aus Heiterkeit und Jokus) mehr über den Kudamm schallen. Es wird keinen Karnevalsumzug in Berlin mehr geben.

Die 50 Tonnen Kamellen, die die Jecken jedes Jahr von den Wagen in die Menge warfen, haben die Berliner gierig aufgeklaubt. Doch der Versuch, rheinische Frohkultur in der Hauptstadt zu etablieren, ist gescheitert. Die zügellosen Rheinländer konnten die schwunglosen Preußen nicht mitreißen. Met ner Pappnas jeboore ist der Berliner eben nicht. Wenn er überhaupt auf öffentlichem Straßenland die Zügel schießen lässt, dann zu Pfingsten. Als Brasilianer verkleidet auf dem Karneval der Kulturen. Beim Sambatanzen.