Jeder zweite Berliner ist gegen ein flächendeckendes Tempo 30

Seit Jahresbeginn starben in Berlin fast so viele Radler wie 2019. Die Forderungen, die Verkehrssicherheit endlich zu erhöhen, werden lauter. Doch die Bewohner der Hauptstadt sind gespalten.

Berlin-Das Jahr 2020 ist gerade mal anderthalb Monate alt. Doch seit Anfang Januar sind schon zwei Fußgänger und fünf Radfahrer bei Unfällen getötet worden. Zum Vergleich: 2019 kamen insgesamt sechs Radler ums Leben. Nachdem am Freitag in Charlottenburg ein Radfahrer durch einen Raser starb, werden Forderungen, endlich die Verkehrssicherheit zu erhöhen, immer lauter.

Die Forderungen nach erhöhter Verkehrssicherheit werden lauter. Doch bei Tempo-30-Zonen sind die Berliner gespalten. 
Die Forderungen nach erhöhter Verkehrssicherheit werden lauter. Doch bei Tempo-30-Zonen sind die Berliner gespalten. imago images/Ralph Peters

Im Kurznachrichtendienst Twitter und anderswo im Internet wird unter anderem gefordert, in der Innenstadt Tempo 30 einzuführen – wie es das Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg Ende Januar für den Bezirk beschlossen hat. Ein 64 Jahre alter Mann war am Freitagnachmittag mit seinem Rad auf der Kantstraße unterwegs, als ein von hinten kommender BMW mit ihm kollidierte.

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Am Savignyplatz soll das Auto an einem Lieferwagen, der auf der linken Spur unterwegs war, sehr schnell rechts vorbeigerast sein. Dabei sei es ins Schleudern geraten und habe das Fahrrad auf der Busspur erfasst. Der Radfahrer stürzte auf das Auto und dann auf die Straße. Er starb wenig später. „Alle sind sich einig, dass die Kantstraße verändert werden muss“, sagte Henning Voget, Sprecher der Stadtteilgruppe City West des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Tempo 30: Friedrichshain-Kreuzberg will Pilotprojekt

„Seit langem fordern wir für die Kantstraße durchgehend Busspur und/ oder Radstreifen.“ Doch Politik und Verwaltung hätten bisher nicht reagiert. Dabei sei bekannt, dass die Straße „zum Spielplatz der Profilierungsfahrer gehört“, so Voget. Changing Cities und der ADFC riefen für Sonntagnachmittag zur Mahnwache am Unfallort auf.  

Der Senat lasse es zu, dass pro Woche ein Mensch auf dem Rad getötet wird, sagte Heinrich Strößenreuther von der Initiative Clevere Städte. Die Forderung nach flächendeckend Tempo 30 in der Innenstadt findet bei den Berlinern Sympathien, aber noch keine Mehrheit. So sind 44 Prozent für eine Geschwindigkeitsbegrenzung im gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, 51 Prozent sind dagegen.

So denken die Berliner über Tempo 30 für den gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. 
So denken die Berliner über Tempo 30 für den gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. BLZ/Galanty; Quelle: Forsa

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung hervor. 63 Prozent der Grünen- und 59 Prozent der Linke-Anhänger sind für flächendeckend Tempo 30. Die Anhänger aller anderen Parteien lehnen das ab.

Unterdessen hat das Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg den Bezirk auf Antrag der SPD aufgefordert, mit dem Senat ein solches Projekt zu starten. Es wäre das erste in Berlin.