Marga Bach in ihrem Theatersaal. Ende der Woche wird hier wieder gespielt, außerdem gibt es dann einen Flohmarkt.
Foto: Berliner Zeitung/Christian Schulz

BerlinLangsam kommt wieder Bewegung in die Berliner Kulturszene – und auch die kleinsten Bühnen der Stadt rüsten sich für den Neubeginn. Viele Dinge ändern sich aber, auch am kleinen Mundart-Theater „Berliner Schnauze“. Kabarettistin Marga Bach muss hier neue Wege gehen, um sich und ihre Bühne über Wasser zu halten.

Eigentlich haben die Besucher aus den verglasten Erkern des Theaters „Berliner Schnauze“ einen fabelhaften Blick auf die bewegte Karl-Marx-Allee in Friedrichshain – doch nun, in Zeiten von Corona, ist alles etwas anders. Tische stehen hier mit Vasen, Deko-Artikeln, Schuhen und allerlei Krimskrams, davor ein Schild „Trödel-Ecke“. Daneben eine Kleiderstange mit Gewändern und ein Hutständer voller Kopfbedeckungen. „Ich bin eben Schauspielerin und mache den Job schon lange, da sammelt sich einiges an“, sagt Marga Bach.

Die Berlinerin, die auf die Frage nach dem Alter stets mit „Anfang ranzig“ antwortet, ist die Chefin des Theaters. 2018 gründete sie es aus eigenen Kräften, hielt es seitdem am Laufen. Sie organisiert, sie spielt – und wenn sie nachts aus dem Theater nach Hause kommt, kocht sie in der Küche ihres Hauses am Stadtrand noch das Schmalz für die Schmalzstullen, die es in der Pause gibt. „Jetzt machen wir hier eben noch Flohmarkt. Da wird mal etwas Platz in den Schränken. Und momentan zählt jeder Euro, damit wir überleben können.“ Eine Botschaft, die eigentlich zum Weinen ist. Aber geweint wird hier nicht, damit das klar ist. „Kannste ruhig schreiben“, sagt sie dem Reporter. „Jeld ham‘ wa nich, aber Humor!“

Als das Theater schließen musste, sei das „ein grausiges Gefühl“ gewesen, sagt sie. „Aus allen Aktivitäten waren wir plötzlich rausgerissen, das Geschäft war tot. Wir hatten Tickets im Wert von 11.000 Euro verkauft, standen kurz vor einer Premiere.“ Die ersten Wochen sei sie völlig blockiert gewesen, habe geweint – die Zukunftsangst, die Machtlosigkeit. „Und dann kannste tagelang niemanden erreichen bei den Behörden, die waren ja alle im Homeoffice.“ 9000 Euro Soforthilfe habe sie bekommen, doch das reiche noch lange nicht.

Bach fühlt sich im Stich gelassen. „Es gibt zu wenig Hilfen, aber alle wollen ihr Geld weiterhin haben. Wir haben das Glück, dass wir uns mit unserem Vermieter einigen konnten, das ist sehr hilfreich.“ Sie geht davon aus, dass es noch eine Insolvenzwelle geben wird. „Wir hätten eigentlich 99 Plätze, haben jetzt aber noch 35. Eigentlich müsste ich den Ticketpreis verdreifachen“, sagt sie. Das kommt nicht in die Tüte. „Aber mit 35 Plätzen kann ich das Theater nicht halten.“

Die Bühne gibt es seit 2018 – die Kabarettistin wollte einen Ort schaffen vor allem für die Berlinerinnen und Berliner. „Unsere Stadt ist voller Dialekte – hier leben Sachsen, Schwaben und Bayern. Die Leute sehnen sich danach, einen Ort zu haben, an dem sie ihrer Mundart wieder richtig frönen können.“ Deshalb sei das Haus gut angenommen worden. Umso enttäuschender sei es nun, dass es nicht genug Hilfe gibt. „Man baut hier was auf, gibt den Leuten eine Heimat, alle fühlen sich wohl. Und dann?“

Sie habe darüber nachgedacht, zu kapitulieren, sagt sie. Doch es gibt viel Zuspruch: Die erste Veranstaltung nach dem Neubeginn ist ausverkauft. Am Freitag geht’s mit dem Programm „Hurra, wir leben noch“ wieder los, es folgen am Sonnabend „Du bist mein Korkenzieher“ und am Sonntag „Jemeinsamet Jetreller“. Es gibt noch Karten. „Die Leute wollen wieder Kultur erleben, wollen wieder lachen“, sagt Bach. Wer gern trödelt, kommt am Sonntag ab 12 Uhr auf seine Kosten. Doch nicht alle Bedürfnisse können erfüllt werden. „Aus hygienischen Gründen“, sagt Bach, „lassen wir die Schmalzstullen erst mal weg.““