Eine S-Bahn der Linie 3.
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BerlinDie Premiere fand vor Sonnenaufgang statt. Am Montagmorgen haben die neuen Berliner Express-S-Bahnen wie geplant ihren Betrieb aufgenommen. Die Züge, die auf ihren Fahrten zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof vier S-Bahnhöfe  ohne Halt durchfahren, stießen auf positive Resonanz. Mit den Expressfahrten auf der S3 sparen die Fahrgäste bis zu vier Minuten Fahrzeit. Doch auch die anderen Reisenden auf der stark genutzten S-Bahn-Strecke im Osten Berlins profitieren. Durch die zusätzlichen Vier-Wagen-Züge gibt es während der Hauptverkehrszeiten mehr Kapazität – mehr Sitz- und Stehplätze. In diesen Stunden steigt die Zahl der S-Bahnfahrten pro Stunde und Richtung auf neun. 

Am ersten Betriebstag zog die S-Bahn Berlin GmbH eine erste positive Bilanz. "Der Verkehr ist wie geplant angelaufen", sagte eine Sprecherin. "Die Züge waren pünktlich."

„Nach dem Fahrplanwechsel direkt die neue Expresslinie der S3 genutzt“, twitterte Manuel Tyx, SPD-Bezirksverordneter in Treptow-Köpenick. „Für die Menschen, die in Karlshorst einsteigen, muss das ein völlig neues Gefühl sein, nicht stehen beziehungsweise problemlos einsteigen zu können.“ Ein anderer Fahrgast, der unter dem Namen Misel twittert, pflichtete bei: „Gefühlt ist es deutlich entspannter mit mehr Platz heute morgen.“ Ein User namens Randnotiz schrieb: „Gute Sache.“ Wer allerdings vom Ostbahnhof weiter in Richtung Westen will, werde dort von der Realität, wie sie weiterhin in anderen Teilen des S-Bahn-Netzes herrscht, eingeholt: „Nur steht man dann am Ostbahnhof und kommt nicht weiter, weil Ihre Züge komplett überfüllt sind.“

Auf das Kürzel S3X wurde verzichtet 

Die „Schnellzüge“ auf der S3, die in der Frontanzeige mit dem Zusatz „Express“ gekennzeichnet werden und zum üblichen Tarif ohne Zuschlag nutzbar sind, ergänzen den regulären Zehn-Minuten-Takt. Sie verkehren montags bis freitags alle 20 Minuten. Die jeweils ersten Fahrten des Tages beginnen laut Plan um 6.11 Uhr in Friedrichshagen und um 6.15 Uhr im Ostbahnhof. Die Verstärkerzüge sind dann bis gegen 9 Uhr und dann zwischen 14 und 19 Uhr unterwegs. Ansagen weisen darauf hin, dass die S-Bahnhöfe Hirschgarten, Wuhlheide, Betriebsbahnhof Rummelsburg und Rummelsburg ausgelassen werden. Zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof verkürzt sich die S-Bahn-Fahrt von 21 auf 19, in der Gegenrichtung von 22 auf 18 Minuten. 

Auf das Kürzel "S3X" hat die Bahn verzichtet. Warum das so ist, erklärte ein Triebfahrzeugführer bei Twitter: "Der Grund warum sie nicht DB-konform als S3X bezeichnet wird ist: Die Fahrgäste könnten 'SEX' lesen auf dem Zielanzeiger! Kein Scherz!"

Bereits vor dem Umbau des Ostkreuzes verkehrten auf der S3 während der Hauptverkehrszeit Verstärkerzüge. Als die Arbeiten intensiver wurden, war das nicht mehr möglich, weil Gleiskapazität fehlte. Doch nun sind die Bahnanlagen am Ostkreuz fertig, die Infrastruktur lässt Zusatzangebote wieder zu. Der Unterschied zu früher ergibt sich, weil für die Zusatzfahrten möglichst wenige Wagen in Anspruch genommen werden sollen. Je weniger Halte es gibt, desto früher erreichen die Züge ihr Ziel – desto weniger Verbände werden benötigt. Insgesamt werden drei Vier-Wagen-Einheiten benötigt.

Verstärkerzüge sollen nach BER-Eröffnung weiterfahren

Die S-Bahn muss auch deshalb sparsam sein, weil im Oktober 2020 eine rund acht Kilometer lange Erweiterung des Streckennetzes in Betrieb geht. Dann werden die Linien S45 und S9 über ihre bisherige Endstation am Flughafen Schönefeld hinaus nach Waßmannsdorf und zum Flughafen BER verlängert. Wie berichtet benötigt das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) dafür sieben weitere Zwei-Wagen-Einheiten, intern Viertelzüge genannt. „Sie wollen wir nach Möglichkeit gewinnen, ohne Verstärkerlinien aus dem Fahrplan zu nehmen“, erklärte ein S-Bahner. Gut möglich, dass anderswo Züge gekürzt werden und statt mit sechs mit vier Wagen verkehren, hieß es beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).