Noch steht alles hinter Gittern. In den nächsten Jahren wird die Hohenzollern-Gruft saniert, und die Fürstensärge werden neu arrangiert. 
Foto: Bernd Friedel

Berlin - Noch bis Sonntag sind die Prachtsärge der Hohenzollern-Dynastie in der Gruft unter dem Berliner Dom zu sehen, dann wird sie für mindestens drei Jahre geschlossen. Die Säle müssen saniert und die Särge neu arrangiert werden, erklärt Svenja Pelzel, Sprecherin der Domgemeinde. Nicht mehr hinter langen Gittern, sondern einzeln umgehbar zwischen den Pfeilern aufgestellt, werden sie in drei bis fünf Jahren wieder zu sehen sein.

Vielleicht wird dann der geradezu aseptische Charakter mit dem spiegelnden Steinboden und der kalten Beleuchtung aufgehoben, sicher aber der Rundgang weiter ungefähr chronologisch sein, wie es seit der Neueinrichtung der Kathedrale St. Denis bei Paris als Grablege der französischen Könige nach 1814 üblich geworden ist.

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Da ist der schlichte Sarg der 1595 gestorbenen Elisabeth Magdalene von Braunschweig, da sind die gewaltigen Steinkisten, in denen der Große Kurfürst, seine zweite Frau Dorothea, sein Nachfolger Friedrich III., der sich als König Friedrich I. in Preußen krönte, sowie dessen zweite Frau Sophie Charlotte bestattet wurden, prachtvolle Barocksärge wie der des Prinzen Ludwig von 1687, aber auch ganz heutig anmutende Holzwerke aus dem späten 19. Jahrhundert.

Hohenzollern-Familie trägt zur Sanierung der Gruft nichts bei 

Man kann sich an den im Feld gefallenen brillanten Musiker Prinz Louis Ferdinand erinnern oder an jenen lebenslustigen König Friedrich Wilhelm II., der Berlin in wenigen Jahren zu einem Zentrum der Romantik und des Klassizismus gemacht hat. Die mehr als 100 Särge und Sarkophage in der Gruft und im Dom sind nicht nur der Pietät zu verdanken, sondern Machtmittel. Beruht doch der Anspruch des Adels, die Gesellschaft und sogar den Staat zu führen, ausschließlich auf dem Ruhm der Vorfahren.

Nach Auskunft der Domgemeinde galt die Gruft mitsamt den Särgen entsprechend bis mindestens Anfang der 1940er-Jahre als Privatbesitz. Erst dann wurden sie der Domgemeinde überschrieben, verlagerten die Hohenzollern die Kosten für den Unterhalt der Gruft auf die Gesellschaft. Trotzdem konnten sie als Familienangehörige der Toten einige informelle Sonderrechte im Dom bewahren, etwa eigene Gedenkgottesdienste veranstalten.  

Die Gruft braucht ein besseres Licht, kein grelles wie jetzt, sondern ein gedimmtes, ein stimmungsvolles Licht, damit die Menschen verstehen, dass sie einen Friedhof besuchen und kein Museum.

Svenja Pelzel, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising am Berliner Dom

Auch zur Sanierung der Domgruft trägt die Hohenzollern-Familie nach Angaben des Doms nichts bei. Die kleine Gemeinde muss alleine zehn Prozent der Summe von 18 Millionen Euro aufbringen. Dazu kommen Fördergelder der Cornelsenstiftung, vor allem aber die Hilfe des Bundes und des Landes Berlin. Sie steuern als Nachfolgerinnen des Staates Preußen jeweils 8,5 Millionen Euro bei.

Domgemeinde hätte Projekt nicht selbst finanzieren können

Das ist bisher singulär. Nur die Sanierung zweier kleiner Landadelsgrüfte war schon unterstützt worden, nie aber die großen Gruftanlagen etwa der Wettiner, Wittelsbacher, Welfen oder Württemberger. Wer wen bedient Dass Berlin wieder einmal Sondermittel erhält, liegt nicht nur an der künstlerischen und kulturhistorischen Bedeutung der Hohenzollern-Gruft.

Offenkundig wirkte der erhebliche Einfluss des einstigen Berliner Kulturstaatssekretärs André Schmitz, der eng mit dem brandenburgischen Adel und damit den Hohenzollern verbunden ist, sowie des Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs.

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Er gilt als einer jener Strippenzieher im Bundestag, die brillant vor allem die „Bereinigungssitzungen“ am Ende der Haushaltsverhandlungen nutzen, um ihren Wahlgebieten durch Zugeständnisse an andere Wahlgebiete Bundesgelder zuzuspielen.

So richtig das Ergebnis ist – die Domgemeinde hätte das Projekt Domgruft nie aus eigener Kraft finanzieren können –, ist es doch wieder einmal ein Bruch mit den Regeln des bundesrepublikanischen Kulturförderalismus.