Familienministerin Franziska Giffey
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Berlin Franziska Giffey steckt  nach dem glimpflichen Ende ihrer Plagiatsaffäre schon wieder in Schwierigkeiten. Denn der Fall ihres Ehemannes, der per Gerichtsbeschluss von seinem Beamtenposten im Öffentlichen Dienst des Landes Berlin entfernt wurde, fällt für sie in eine besonders ungünstige Zeit. In den nächsten Wochen und Monaten werden die Weichen für gleich zwei Wahlen im kommenden Jahr gestellt – und bei beiden könnte Giffey für ihre SPD eine wichtige Rolle spielen.

In Berlin muss die  Landespartei  die Spitzenkandidatur für das Abgeordnetenhauswahl klären. Und im Bund sucht die SPD eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten sowie Minister für ein Schattenkabinett, sollte man sich nach der Wahl wieder in Koalitionsgespräche begeben. All das wird parteiintern bereits heiß diskutiert, und wird es in nächster Zeit noch viel heißer werden. Und in all diesen Diskussionen spielt Giffey eine zentrale Rolle.

Auf dem einst als Gedöns abqualifizierten Feld der Familienpolitik hat die Ministerin in den knapp zwei Jahren ihrer Amtszeit das Maximum auch an Bekanntheit und Popularität herausgeholt. Das hat mit ihrem freundlichen Auftreten, ihrem bürgerlichen Aussehen, ihrer strahlenden Gestalt und ihrer klaren Haltung zu tun. Und gerade klare Haltungen sind ein rares Gut unter Sozialdemokraten, die unter den unzähligen Ja-Abers und Sowohl-als-Auchs oft gar nicht mehr zu erkennen sind. Selbst ihre Plagiatsaffäre, bei der sie mit einem tiefblauen Auge, nämlich einer Rüge, davongekommen ist, hat Giffey offensichtlich nicht wirklich geschadet. Die Reaktion vieler war: Schwamm drüber!

Giffeys Popularität hängt aber auch mit ihrem Geschick zusammen, komplexe Zusammenhänge scheinbar leicht zu erklären und damit der Öffentlichkeit zu verkaufen. Die meisten inhaltlichen Punkte des Gute-Kita-Gesetz sind schon unter ihrer Amtsvorgängerin erarbeitet worden. Doch der griffige, verkaufsfördernde Gesetzesname wird immer mit der Person Franziska Giffey verbunden bleiben.

Das strahlt auch in die Berliner Landespartei aus. In dieser hat Franziska Giffey derzeit noch einen schweren Stand, weil ihr die Hausmacht fehlt. Schließlich ist sie damals direkt vom Posten der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin zur Ministerin aufgestiegen und hat damit eine ganze Polit-Ebene übersprungen. So etwas sorgt nicht nur für Freude. Dennoch wird auch die Berliner SPD genau darüber nachdenken, ob man mit Franziska Giffey nicht bessere Wahlchancen hätte als mit dem von der Öffentlichkeit bestenfalls bemitleideten Amtsinhaber Michael Müller.

Just in dem Moment könnten die von einem Gericht festgestellten Verfehlungen ihres Mannes Franziska Giffeys weitere Karriereambitionen ernsthaft gefährden. Natürlich wird man keinen Parteifreund finden, der Sippenhaft gut findet. Doch Zweifel an Seriosität können ein schleichendes Gift sein. Das Private ist politisch.