Solomon Gordon spielt Jim Knopf. 
Foto:  Christian Schulz

BerlinAls vor zweieinhalb Jahren der opulente Kinofilm „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ herauskam, verhinderte eine ruinös lange Hitzewelle, dass der gut angelaufene Film seine kompletten Produktionskosten einspielte. Trotzdem gibt es nun die Fortsetzung „Jim Knopf und die Wilde 13“, deren Premiere am Sonntag im Zoo-Palast gefeiert wurde und der am Donnerstag bundesweit startet.

Damit ist das Ende einer langen Reise erreicht. Viel länger hätte die auch nicht gehen können, denn Solomon Gordon, der Jim Knopf schon im ersten Film gespielt hatte, entwächst der Rolle in Riesenschritten. Stand Henning Baum, der den Lokomotivführer Lukas spielt, beim Drehbeginn des ersten Teils ein zierlicher Junge von elf Jahren gegenüber, war Gordon beim Anfang der Arbeiten zum zweiten Teil fast 14 Jahre alt und 13 Zentimeter größer.

Für den Jim-Knopf-Darsteller, der im eleganten Samt-Smoking zur Premiere kam und darin mit Abstand der bestangezogene Premierengast war, ist es ein bisschen traurig, dass die Arbeit an diesen beiden Filmen nun vorbei ist: „Das war so eine wunderbare Reise.“ In 20 Jahren, da ist er sich sicher, wird er seinen Kindern diese Filme zeigen: „Ja, die dürfen sie natürlich sehen. Und dann sage ich ihnen: das bin ich!“

Drehbuchautor Dirk Ahner baute das gestiegene Alter der Hauptfigur in die Handlung ein: „Wir haben beschlossen, sein Alter und die Pubertät nicht zu verstecken, sondern im Film zu thematisieren. Jim steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden, er ist reifer und nachdenklicher geworden. Er hat akzeptiert, dass Lummerland seine Heimat ist. Die Frage nach seiner Herkunft ist allerdings ungelöst geblieben, und das quält ihn über weite Strecken des Films.“

Für Regisseur Dennis Gansel erfüllte sich ein Traum: „Jim Knopf ist das Buch meiner Kindheit.“ Gansel stand bei dieser Arbeit unter besonderem Druck: „Wahnsinnig viele Kollegen, die die Bücher wie ich lieben, kamen zu mir und ermahnten mich, dass ich das nicht versauen darf.“ Seine Erleichterung war groß, als nach dem ersten Teil Kollegen wie der Regisseur Christian Schwochow meinten: „Du hast es nicht versaut.“

Der Produzent Christian Becker muss sich dieser Tage immer wieder fragen lassen, warum er mit dem Filmstart nicht wartet, bis die Nach-Corona-Normalität eingekehrt ist. Seine Antwort: „Die Kinos sind sicher und brauchen jetzt gute, starke Filme, die die Familien anziehen. Wenn wir bis nächstes Jahr gewartet hätten, gäbe es vielleicht die Hälfte der Kinos schon nicht mehr.“

Schauspielerin Sonja Gerhardt, die in „Jim Knopf und die Wilde 13“ eine Meerjungfrau spielt, kannte die Bücher von Michael Ende, die den Verfilmungen zugrundeliegen, vorher nicht. Das Rollenangebot reizte sie spontan: „Ja, eine Meerjungfrau spielt man doch gern mal.“ Die Unbequemlichkeiten dieses Jobs waren dann aber erheblich: „Mit dem Meerjungfrauenschwanz konnte ich mich nicht mehr selbständig bewegen, mir musste alles gebracht werden und ich musste mich tragen lassen.“ Und außerdem war das Wasser kalt. Sie spricht trotzdem mit Spaß von dieser Arbeit.

Rick Kavanian, der im ersten Teil schon einen Kurzauftritt als Wilde 13 hatte und in der Fortsetzung in den Mittelpunkt der Handlung rückt, ist von der Größe des Projekts beeindruckt: „Ich hatte schon beim Lesen der Drehbücher bestimmte Vorstellungen, aber die wurden beim Anschauen der fertigen Filme komplett übertroffen. Dennis Gansel und sein Team haben Michael Endes grenzenlose Fantasie in unglaubliche Bilder übersetzt.“ Kavanian spielte die Wilde 13, zwölf Piratenbrüder, die nicht besonders gut zählen können und den aus ihren eigenen Reihen gewählten Anführer zum 13. Mann erklären. Für den Schauspieler war es nicht einfach, gleich ein Dutzend Rollen zu übernehmen: „Es gibt natürlich Momente, in denen ich selbst nicht mehr genau wusste, ob ich jetzt Antonio, Fernando oder Maximiliano war, aber das war auch für mich ein tolles Experiment.“

Für Uwe Ochsenknecht schließt sich mit den beiden Filmen, in denen er als König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte zu sehen ist, ein Kreis: „Ich bin mit Jim Knopf groß geworden, das war ein Held meiner Kindheit.“ Er freut sich besonders darüber, wie nah die Filme an den Büchern sind: „Das ist toll umgesetzt, man taucht tatsächlich in die von Michael Ende geschaffene Welt ein.“