Joana Zimmer bei "Let's Dance": In den Armen des Ex-Lokführers

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Die Berliner Sängerin Joana Zimmer liebt es, wenn sie unterschätzt wird. Dann kann sie es nämlich allen zeigen. Deshalb passt auch die RTL-Sendung „Let’s Dance“ so gut zu ihr, in der sich prominente Tanzlaien mehr oder weniger schlimm blamieren. Weil sie von Geburt an blind ist, traute mancher ihr nicht zu, auf ausreichend hohem Niveau zu tanzen und die notwendigen Punkte bei Jury und Publikum zu sammeln, um nicht schon am Anfang rauszufliegen: „Viele dachten ja, dass sich das mit den ersten Sendungen erledigen würde.“ Diesen Mittwoch ist die 29-Jährige aber schon in der sechsten Show dabei. „Aufgeben wollte ich bisher nie.“ Der Verzweiflung nah war sie allerdings schon: „Beim ersten lateinamerikanischen Tanz, der Rumba, dachte ich, das ich das nie hinkriegen würde. Ich bekam einfach kein Bild von dem Tanz in meinen Kopf, was mir zuvor bei Walzer, Foxtrott und Quickstep gut gelungen war.“

"Tanz ist ein optischer Sport"

Joana Zimmer hat den besten Trainer, den sie sich wünschen konnte. Für Christian Polanc ist es schon die vierte Staffel von „Let’s Dance“, er führte voriges Jahr seine Trainingspartnerin Maite Kelly zum Sieg. Für die Arbeit mit seiner blinden Tanzpartnerin musste er umdenken: „Tanz ist ein optischer Sport, bei dem das Training zu bestimmt 70 Prozent visuell abläuft.“ Nun konnte er nicht mehr sagen: Ich zeige mal schnell die Schrittfolge. „Am Anfang lag Joana die Hälfte der Zeit auf dem Boden und hat mit ihren Händen erfühlt, was meine Füße gemacht haben.“

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Zunächst trainierten sie im Saal einer Tanzschule am Kurfürstendamm. Der war für die Blinde allerdings wegen seiner Säulen nicht geeignet. Inzwischen fahren sie von Freitag bis Montag in eine Tanzschule auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Dienstag und Mittwoch trainieren sie in Köln, von wo aus gesendet wird. Das tägliche Training macht die Show für Joana Zimmer gerade zum Vollzeitjob mit vielen Überstunden. Nur der Donnerstag ist anders. An dem gilt nämlich Trainingsverbot, damit sich die Teilnehmer wenigstens einmal in sieben Tagen ausruhen.

"Schritt für Schritt, Tanz für Tanz"

Tanztrainer Polanc hat eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst absolviert, war Fahrdienstleiter, Lokführer, Schaffner und Fahrkartenverkäufer. Als er in ein – wie er es nennt – bayerisches Kaff versetzt werden sollte, wo achtmal am Tag ein Zug vorbei fährt, entschied er sich für einen Berufswechsel: „Das war nicht meine Vorstellung davon, was ich auf dieser Welt bewirken will.“ Er studierte Sport und wurde freier Tanztrainer für Turnierpaare. Die Popularität, die ihm das Fernsehen bringt, wird er demnächst wohl nutzen, um eine eigene Schule zu eröffnen. Er will sesshaft werden – bisher muss er nicht nur wegen des Trainings mit der Partnerin wochenlang seine Heimat Ingolstadt verlassen, auch für die Arbeit mit seinen Turnierpaaren ist er permanent unterwegs.

Aber einstweilen versucht Polanc weiter, mit Joana Zimmer möglichst weit zu kommen. Sie selbst träumt noch nicht vom Finale: „Ich nehme es Schritt für Schritt, Tanz für Tanz, Sendung für Sendung.“ Gegen Ende wird sich das Pensum verdoppeln, denn wenn nur noch wenige Paare dabei sind, müssen die pro Sendung zwei Tänze einstudieren. „In Australien hat es mal ein blinder Teilnehmer bis ins Halbfinale geschafft. Christian hat ihn mal tanzen sehen und sagt, dass ich es besser mache.“