Von kultureller Vielfalt wird in Berlin oft geredet, von Diversität und der Vielfalt der Ausbildung. Berlin will Multikulti sein. Doch bis heute haben junge Leute mit einer Einwanderungsgeschichte auf dem Berliner Arbeitsmarkt schlechtere Chancen als Bewerber mit deutschen Wurzeln.

So werden Kandidaten nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, weil sie einen ausländischen Namen haben. Personalchefs reden von sprachlichen Problemen dieser Bewerber, dabei haben auch deutsche Bewerber so ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Von „struktureller Diskriminierung“ spricht die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Linke). „Auch das Land Berlin ist nicht frei davon.“

Zwar ist in Berlin der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter den Auszubildenden von 8,7 Prozent im Jahr 2006 auf 27,1 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Doch das Ziel sei damit längst noch nicht erreicht, sagt Elke Breitenbach. „Eine Einwanderungsgeschichte erschwert nach wie vor die Suche nach einem Ausbildungsplatz.“

„Die Vielfalt dieser Stadt muss sich auch in den Behörden abbilden.“

Und so startet das Land Berlin nun die Kampagne „Berlin braucht Dich!“ Mit Plakaten in U-Bahnen, einer Plattform im Internet (www.berlin-braucht-dich.de)und Werbung in Social-Media-Kanälen hoffen die Initiatoren, mehr Jugendliche für eine Ausbildung beim Land Berlin interessieren zu können, etwa im öffentlichen Dienst, der Senatsverwaltung, den Bezirksämtern, landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, den Berliner Wasserbetrieben, der Feuerwehr und der Polizei.

„Die Vielfalt dieser Stadt muss sich auch in den Behörden abbilden“, sagt Senatorin Breitenbach. Berlin habe mit seinem Partizipations- und Integrationsgesetz sogar eine Verpflichtung zur interkulturellen Öffnung. Doch oft wissen Jugendliche gar nicht, dass sie sich im öffentlichen Dienst oder bei Betrieben des Landes Berlin bewerben können.

Für sie klingt ein Job in der Verwaltung nicht gerade spannend, sondern eher nach Bürokratie und Aktenbergen. „Der öffentliche Dienst bietet viele attraktive Berufsperspektiven“, versichert hingegen Pascal Prey, Vorsitzender der Haupt-, Jugend- und Auszubildendenvertretung im Land Berlin. 

„Wer nicht so stark ist, fällt durch.“

Gleichzeitig erschwert ein kompliziertes Bewerbungs- und Einstellungsverfahren Migranten diesen Weg. „Diese Jugendlichen scheitern häufiger als andere“, sagt Andreas Germershausen, Integrationsbeauftragter des Senats. Senatorin Breitenbach sagt, die Bewerber müssten an einem Tag zeigen, was sie drauf haben. „Wer nicht so stark ist, fällt durch.“

Darum können interessierte Jugendliche in den Betrieben, die sich an der Kampagne beteiligen, erst einmal Praktika absolvieren: tage-, wochen- oder monatelang. „Beide Seiten lernen sich kennen, erst dann gibt einen Ausbildungsvertrag“, sagt Breitenbach. 

Auch Polizei und Feuerwehr suchen Nachwuchs

Die Berliner Wasserbetriebe bieten ein neun Monate langes Praktikum an. Die jungen Leute lernen in dieser Zeit den Betrieb und die Berufe kennen, sie bekommen Sprachunterricht, psychologische Betreuung und ein Coaching. Den Wasserbetrieben fehlen in den kommenden Jahren bis zu 1.000 Mitarbeiter. Sie brauchen dringend junge Fachkräfte. 

Und so hat auch Asif Waleed so ein Praktikum absolviert. Jetzt ist der 22-Jährige, der vor vier Jahren aus Pakistan kam, im dritten Lehrjahr zum Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. „Meine Freunde wundern sich, dass es so etwas gibt“, sagt er.

Auch Polizei und Feuerwehr suchen Nachwuchs. Das verlange jedoch viel Aufklärung, sagt Landesbranddirektor Karsten Homrighausen. „In der muslimischen Gesellschaft ist die Feuerwehr eher negativ besetzt. Doch bei uns ist es eine große Ehre, dort zu arbeiten.“ Und auch die Feuerwehr brauche interkulturelle Kompetenz, sagt er.