Anas Hamad kann es kaum fassen, er hat ein Vorstellungsgespräch. Am Dienstag. Und wenn alles gut läuft, beginnt der 25-Jährige bald einen Job als Küchenhilfe in einem Pflegeheim, im Johanniter-Stift in Lichterfelde. „Damit hätte ich gar nicht gerechnet“, sagt Hamad.

Das Gespräch hat ihm der Personalchef der Johanniter-Unfall-Hilfe angeboten – und zwar auf der Jobbörse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende im Hotel Estrel Berlin, die am Montag zum vierten Mal zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit stattfand. Mit etwa 180 Ausstellern ist sie die größte Jobbörse in ganz Europa für diese Zielgruppe – für Menschen wie Anas Hamad.

Die Jobsuche in Berlin ist schwer

Der junge Mann floh vor drei Jahren vor dem Krieg in seiner Heimat Syrien. Von Damaskus kam er zunächst nach Frankfurt (Oder), strandete ein Jahr später in Berlin. Nicht nur sein Zuhause verlor er, auch seinen Job. In Syrien hat Hamad als Koch gearbeitet.

„Ich versuche seit Monaten einen Job in Berlin zu finden, aber es ist sehr schwer“, sagt er in gebrochenem Deutsch. Anas Hamad fehlen noch die nötigen Deutschkenntnisse, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Jeden Tag lernt er deswegen an einer Sprachschule.

Ein weiteres Problem spricht er offen an. „Mir ist die deutsche Küche nicht vertraut“, erzählt Hamad. Er könne nur französische und arabische Gerichte. Der Johanniter-Personalchef will Hamad nun eine Chance geben – zunächst als Küchenhilfe, dann könne man weitersehen.

Ein Job, ein eigenes Gehalt, ein Teil der Gesellschaft werden, schlichtweg dazugehören – das ist der Wunsch vieler Geflüchteter. Und dieser Traum scheint für immer mehr Menschen Realität zu werden.

Zehntausende nach Deutschland geflüchtete Menschen werden nach Auskunft von Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit, in diesem Jahr einen Job finden. Bundesweit werden es zwischen 60.000 und 70.000 sein, die derzeit als arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet sind, sagte Scheele auf der Jobmesse. „Ich glaube vor allen Dingen, dass es uns wieder gelingt, viele jugendliche Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen.“

Insgesamt, so Scheele, werde sich die Flüchtlingsintegration besser entwickeln als in den Jahren zuvor. Der oberste Arbeitsvermittler der Republik führt das auf den Spracherwerb zurück, der sich mit den Jahren verfestige.

Immer mehr Geflüchtete finden einen Job

Auch die Berliner Zahlen zeugen davon, dass sich die vielfältigen Integrationsangebote und Sprachkurse auszahlen. Als im Sommer 2015 immer mehr Menschen Schutz in Deutschland suchten, arbeiteten rund 3500 Geflüchtete in Berlin in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Zwei Jahre später hatte sich ihre Zahl fast verdreifacht. Im Oktober 2018 verzeichnete die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur für Arbeit 13.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus den Hauptherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia oder Syrien.

Mehr als zehn Prozent der Bewerber um Ausbildungsplätze waren im Jahr 2017/2018 junge Geflüchtete. Im vergangenen Jahr absolvierten 652 Menschen mit Fluchthintergrund in Berlin eine Ausbildung. Arbeitsagentur-Chef Scheele erinnert daran, dass der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands auch davon abhänge, „dass es gelingt, möglichst das gesamte Fachkräftepotenzial in unserem Land auszuschöpfen“. Vor allem junge Migranten und deren Eltern sollten noch besser informiert, beraten und auf dem Weg von der Schule in den Beruf unterstützt werden.

Nicht immer braucht es eine Jobmesse

Und damit nicht genug: Die Bundesagentur will künftig noch enger mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, zusammenarbeiten. Dazu wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel ist es, vor allem geflüchtete Frauen in Arbeit zu bringen.

Nicht immer braucht es übrigens eine Jobmesse, um Geflüchtete zu vermitteln. Seit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2015 beschloss, die Grenzen nicht zu schließen, haben sich viele Projekte in der Stadt entwickelt, die Geflüchtete bei der Arbeitssuche unterstützen.

Das Projekt „Geflüchtete in Arbeit“ (GiA) aus Tempelhof-Schöneberg gehört dazu. Seit 2016 werden junge Geflüchtete in Ausbildungen oder Arbeit vermittelt. Die Idee stammt von der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), die das Modellprojekt ins Leben rief.

Seitdem hat GiA rund 350 Beratungsgespräche mit Flüchtlingen geführt. Manche werden direkt von Sprachschulen überwiesen, andere schickt die Arbeitsagentur. Zehn Geflüchtete konnten so direkt in Arbeit vermittelt werden, sieben in Ausbildungen. Andere wurden entweder in Umschulungen, Sprachkurse, Praktika oder andere Unterstützungsangebote weitervermittelt. Einige studieren sogar.

„Bei manchen dauert es nur einfach etwas länger“, sagt Projektleitern Susann Schmidtke. Denn ihnen wird durch Sprachkurse oder Qualifizierungsangebote unter die Arme gegriffen, bevor sie eine Ausbildung, eine Arbeit oder ein Studium starten könnten.

Zu geringer Wortschatz

Hauptproblem – wie auch bei Anas Hamad – bleibt dabei trotz vieler Erfolge das Sprachdefizit. „Trotz B2-Sprachniveau fehlt bei einigen noch viel Wortschatz“, erklärt Schmidtke. Und die sprachlichen Anforderungen für die Ausbildungen seien hoch. Die meisten Geflüchteten, die das Projekt GiA bisher vermitteln konnte, kommen aus Syrien, dem Irak oder dem Iran.

Oft finden sie Arbeit in technischen Berufen, wie Mechatroniker oder Verfahrensmechaniker, in denen die Männer nun tätig sind – etwa beim Familienunternehmen Bahlsen, dem Maschinenbauunternehmen Promess oder dem Kunststoffteile-Hersteller India-Dreusicke, bei dem zuletzt eine junge Perserin Arbeit fand.

Mehr Jobs als Bewerber

Den Einwand, Geflüchtete machten bei der Jobsuche Muttersprachlern Konkurrenz, lässt Projektleiterin Susann Schmidtke nicht gelten: „Es gibt sehr viel mehr Plätze als Bewerber.“ Die Unternehmen würden gerne Deutsche einstellen, aber es gebe in dem Sektor, in denen sie vermitteln, einen großen Mangel an Bewerbern. „Da können sich gerne mehr Muttersprachler bewerben“, sagt Schmidtke.

Dies bestätigen auch die Arbeitsagenturen. Es gebe mehr Jobs als Bewerber, heißt es. Allein im Dezember 2018 gab es in Berlin 26.900 offene, gemeldete Stellen. Die Betriebe suchen händeringend Bewerber. Dabei werden nicht einmal alle freie Stellen gemeldet.