Es gibt schon unzählige Ellington-Tribut-Alben. Was hat Sie dazu befähigt, noch eins aufzunehmen?

Ganz einfach: Ich bin kein Jazz-Musiker, was eine andere Annäherung an Ellington bedeutet. Außerdem gab Ellington selbst vor, dass nichts heilig, alles veränderbar sei. Damit gab er mir die Freiheit, alles mit seiner Musik anzustellen.

Können Einschränkungen Kreativköpfe wie Sie nicht auch beflügeln?

Auf Bläser zu verzichten, war die erste Entscheidung, die ich traf, als ich mich für die Umsetzung dieser Platte entschied. Das war für mich ein wichtiger Schritt, um meine Arrangements der Ellington-Stücke von den Original-Arrangements unterscheidbar zu machen. Wenn man sich solche Regeln auferlegt, befreit man sich tatsächlich eher, als dass man sich beschränkt, weil man plötzlich andere Wege findet, Musik interessant gestalten zu können.

Für viele Musiker war Ellington ein Jazz-Lehrmeister. Auch für Sie?

Er war mir eher ein Vorbild im Verneinen von Genres. Ellington selbst lehnte Kategorisierungen wie „Jazz“ für seine Musik ab. Er nannte sein Werk lieber „American music“. Auch seine Klasse und sein Stil hatten für mich immer Vorbildcharakter. Ellington war eine vielschichtige Persönlichkeit, er war Dandy und Trickser, Bohemien und ein umarmender Charakter – damit konnte ich mich immer identifizieren.

Waren Ihre Bands deswegen immer multiethnisch aufgestellt?

Meine Bands waren und sind vor allem nach den Exzellenzen der Musiker aufgestellt. Aber ich fand es immer unappetitlich, mit Bands unterwegs zu sein, die nur aus Weißen oder Männern bestanden. Solche Konstellationen haben meist einen wenig nonchalanten Armee-Beigeschmack. Das passt eher zu den militärisch-präzisen Planungen, mit denen moderne Popmusik auf die Menschheit losgelassen wird.

Pop ist für Sie ein Schimpfwort?

Überhaupt nicht. Aber das, was daraus gemacht wurde, ist zumeist eine Zumutung. Die funktionalen Anforderungen an Popmusiker übersteigen immer öfter das Schöpferisch-Emotionale. Dadurch verliert sich immer häufiger individueller Ausdruck und Charakter. Wer hat schon Lust darauf, sich immer wieder Songs über nette Jungs und Mädchen anzuhören?

Charakter macht sich auf „The Duke“ unter anderem durch Ihre Zusammenarbeit mit Iggy Pop bemerkbar. Plaudern zwei Punk- und New-Wave-Veteranen wie Sie schon mal über die guten, alten Zeiten, wenn Sie aufeinandertreffen?

Nein, wir sind keine Nostalgiker. Ich lernte Iggy vor ein paar Jahren in einer Hotelbar kennen. Wir tranken ein paar Gläser Bier zusammen. Ich fand ihn sehr charmant, witzig und intelligent. Er ist ein Lebemann und damit wie gemacht für die Charakterrolle des Mannes mit der tiefen Stimme auf meiner Platte.

Das Gespräch führte Michael Loesl.